„Es iſt der ſchönſte Triumph der Liebe, den Gegen⸗ ſtand, den man verführt, zu verwandeln, meine liebe Her⸗ zogin, erwiederte Frau von la Rochaigue lächelnd; „ich bin feſt überzeugt, Ihr Sohn fühlt dieſen Triumph.“
„Herr von Senmneterre,“ ſagte Erneſtine zu Gerald, „ich danke Ihnen für Ihre Offenherzigkeit und Ihren Rath, der vielleicht ſchon mehr, als Sie denken, gerecht⸗ fertigt iſt. Doch obgleich mich Ihre Gegenwarz hier zu glücklich macht, als daß ich darüber ſtaunen ſollte, möchte ich wohl wiſſen . . .“
„Warum ich trotz meines Entſchlußes dieſen Abend hierhergekommen bin, mein Fräulein? Ei! mein Gott! weil ich dieſe Gelegenheit, die einzige vielleicht, die mich in Ihre Nähe bringen konnte, benützen und ein wenig insgeheim mit Ihnen zu ſprechen mir erlauben wollte. .. Indem ich bis auf dieſen Tag meine Mutter im Irrthum ließ, dürfte ich vielleicht im Stande ſein, Sie vor vielen Plänen, wie der, an welchem ich mich beinahe einen Au⸗ genblick mitſchuldig gemacht hätte, zu bewahren, denn ich befürchte, wenige Menſchen werden ſich ſo bedenklich zeigen⸗ wie ich. Ihr Vormund und ſeine Familie werden zu allen Intriguen behülflich ſein, die ihrem Intereſſe entſprechen. um Ihr Glück, um Ihre Zukunft kümmern ſie ſich nicht!. . . Das iſt ſchmerzlich, mein Fräulein, ſehr ſchmerzlich, und es wäre mir doppelt grauſam geweſen, in Ihr Gemüth Mißtrauen und Unruhe zu bringen, hätte ich Ihnen nicht zugleich ein edles, erhabenes Herz, einen Mann bezeichnen können, der ebenſo ſehr von den Boͤſen und Feigen gefürchtet, als von redlichen Leuten geliebt wird . . Zu dieſem Mann, mein Fräulein, haben Sie Vertrauen, jegliches Vertrauen! .. Man hat ihn, glaube ich, in Ihren Augen verleumdet.“
„Sie meinen Herr von Maillefort?“
„Ja, mein Fräulein . . . Glauben Sie mir, Sie wer⸗ den nie einen ſicherern, einen ergebeneren Freund finden!
Im Zweifel wenden Sie ſich an ihn . Es gibt keinen
geraderen und zugleich ſchärferen Geiſt, als den ſeinigen..


