Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 8. bis 11. Bändchen (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

gehen horen ließen, mit dem völlig gleichgültigen Em⸗ pfang, der ihr am vorhergehenden Sonntag bei Madame Herbaut zu Theil geworden war; fie fühlte ſich auch im⸗ mer mehr entſchloſſen, die Gegenprobe ſo weit als mög⸗ lich zu treiben, denn ſie wollte ein für allemal wiſſen, woran ſie ſich in Beziehung auf die Würde, auf die Aufrichtigkert dieſer Welt, in der ſie zu leben beſtimmt ſchien, zu halten hätte.

Zur großen Verzweiflung der la Rochaigue und mit einer plötzlichen Hartnäckigkeit, durch die ſie ſich verwirrt und beherrſcht geſehen, hatte Fräulein von Beaumesnil ſich ſo beſcheiden kleiden wollen, als da ſie bei Madame Herbaut erſchienen war; ein einfaches Kleid von weißer Mouſſeline und eine kleine Echarpe, ganz dem ähnlich, was ſie am vorhergehenden Sonntag trug, dies war die Toilette der Erbin, welche bei dieſer zweiten Prüfung mit nicht mehr, nicht weniger Vorzügen erſcheinen wollte, als bei der erſten.

Erneſtine hatte ſogar den Gedanken gehabt, ſich aufs Allerlächerlichſte zu kleiden, beinahe ſicher, es würde auf allen Seiten Lobeserhebungen auf die reizende Ori⸗ ginalität ihrer Toilette regnen; doch ſie verzichtete bald auf dieſe Tollheit, weil ſie bedachte, die neue Prü⸗ fung ſei etwas Ernſtes und Trauriges.

Wie dies zum Voraus unter den Damen von Mire⸗ court, von Senneterre und von la Rochaigue verabredet war, nahm Fräulein von Beaumesnil ſogleich bei ihrer Ankunft auf dem Ball, nachdem ſie mit Mühe die Grup⸗ pen, die ſich immer mehr an ihrem Wege drängten, ge⸗ führt von der Herrin des Hauſes, durchſchritten hatte, in dem geräumigen, prachtvollen Salon Platz, wo man tanzte.

Frau von Mirecourt ließ Erneſtine in Geſellſchaft von Frau von la Rochaigue und Frau von Senneterre, welche die Baronin . zufällig getroffen hatte.

Unfern von dem Canapé, auf dem die Erbin ſaß, fanden ſich mehrere reizende Mädchen, ebenſo ſchön und