Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 8. bis 11. Bändchen (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

von Ihnen, und ich beglückwünſchte ſie aufrichtig, daß ſie die Ehre hat, Sie bei ſich zu empfangen.

Ich erwartete nicht weniger von der gewöhnlichen Güte der Frau Herzogin, der ich ſo viele koſtbare Ver⸗ bindungen in der Geſellſchaft zu verdanken habe, erwie⸗ derte Herr von Macreuſe mit ehrfurchtsvollem Ton.

Wonach er ſich abermals verbeugte und in den an⸗ ſtoßenden Salon ging.

Der Günſtling des Abbé Ledour (des ehemaligen Beichtvaters von Frau von Beaumesnil), war als ächter Fuchs der Sacriſtei zu ſchlau, zu hellſichtig, zu argwöh⸗ niſch, um nicht bei ſeinem Beſuch bei Frau von Senne⸗ terre (der er damals ſeine Abſichten auf die Hand von Fräulein von Beaumesnil eröffnete), einzuſehen, er habe wie man im gemeinen Leben ſagt, einen Bock geſchoſſen, obgleich ihm von der Herzogin ihre Unterftützung zuge⸗ ſagt worden war.

Zu ſpät machte es ſich Macreuſe zum Vorwurf, nicht bedacht zu haben, daß die Herzogin ſelbſt einen zu verheirathenden Sohn beſaß; der hochmüthige, höhniſche Empfang, der ihm nun von ihr zu Theil wurde, beſtätigte den frommen jungen Mann in ſeinem Argwohn; doch er kümmerte ſich nur wenig um dieſe Feindſeligkeit, denn nach den Berichten von Fräulein Helena von la Rochai⸗ gue glaubte er ſich ſicher, es wäre nicht nur Niemand im Antrag, um Fräulein von Beaumesnil zu heirathen, ſondern ſie hätte ſogar ihn, Macreuſe, beſonders ausge⸗ zeichnet und ungemein von ſeinem Schmerz und von ſei⸗ ner Frömmigkeit gerührt geſchienen.

Voll Hoffnung, verſicherte ſich Herr von Macreuſe vor Allem, daß ſich Fräulein von Beaumesnil in keinem Salon befand, und er erwartete ihre Ankunft voll Un⸗ geduld, feſt entſchloſſen, den günſtigen Augenblick zu er⸗ ſpähen, um ſie Einer der Erſten. . der Erſte, wenn es möglich wäre, zum Tanz aufzufordern.

Hat man eine Idee von einer Unverſchämtheit,