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erwarten darf, welche mich die vielleicht übertriebene Em⸗ pfindlichkeit meines Charakters Allem vorziehen läßt .. Mit einem Wort, mein Herr, ich wünſchte zu wiſſen, ob Frau von Senneterre wohlwollender Natur iſt, und ob man bei ihr nicht jenen Stolz, jenen Hochmuth trifft, den man zuweilen bei Perſonen von ſo hoher Stellung findet?“
„Ich begreife Sie ganz wohl und bin entzückt, daß Sie ſich an mich wenden; da ich Sie kenne, wie ich Sie kenne, Sie, liebes hoffärtiges Mädchen, ſage ich Ihnen: nehmen Sie keine Lectionen in dieſem Haus an. .. die Fräulein von Senneterre ſind vortrefflich, ſie haben das Herz ihres Bruders. .. voch die Herzogin!“
„Nun, mein Herr . 4 ſagte die arme Herminie mit ſchmerzlicher Bangigkeit.
„Ah! mein liebes Kind, die Herzogin iſt die auf ihren Titel eingebildetſte Frau, die ich in der Welt geſehen habe, was ſonderbar erſcheinen muß, da ſie von ſehr heher Geburt iſt. Die lächerliche Einbildung und die dumme Eitelkeit auf den Rang ſind gewöhnlich das Vor⸗ recht der Emporkömmlinge Mit einem Wort, mein gutes Kind, ich würde Sie lieber in Verbindung mit zwanzig Bouffard, als mit dieſer unerträglich anmaßenden Frau ſehen. Die Bouffard ſind ſo dumm, ſo plump, daß der Mangel an Sitte bei ihnen eher beluſtigt, als ver⸗ letzt; bei der Herzogin von Senneterre aber würden Sie
die artigſte Unverſchämtheit oder die unverſchämteſte Artig⸗
keit finden, die Sie ſich vorzuſtellen vermöchten, und Sie beſonders, mein liebes Kind, die Sie einen ſo hohen Grad würdigen Selbſtbewußtſeins beſitzen, Sie würden nicht zehn Minuten bei Frau von Senneterre bleiben, ohne blutig verletzt zu werden, und nie mehr könnten Sie es über ſich gewinnen, einen Fuß in ihr Haus zu ſetzen. . . Warum alſo dort eintreten?“
„Ich danke, mein Herr,“ etwiederte Herminie, nieder⸗ geſchmettert durch dieſe Mittheilung, welche die tolle und ietzte Hoffnung, die ſie unwillkührlich bewahrt hatte, zer⸗ ſtoͤrte, die Hoffnung, gerührt von der Liebe ihres Sohnes,


