266
würde ſich Frau von Senneterre vielleicht zu dem Schritt herbeilaſſen, den der gerechte Stolz von Herminſe als oberſte Bedingung ihrer Heirath mit Gerald ſtellte.
Der Marquis fuhr fort:
„Nein, nein, mein liebes Kind, dieſes Haus verdient Sie nicht, und in der That, Gerald von Senneterre muß ſo ſehr, als er es iſt, durch die kindliche Zärtlichkeit verblendet ſein, um nicht über die maßloſe Eitelkeit ſeiner Mutter ungehalten zu werden, und nicht zu bemerken, daß dieſe Hoffärtige ein Herz befitzt, das ebenſo trocken, als ihr Geiſt beſchränkt iſt, und daß, wenn etwas ihre Selbſt⸗ ſucht überbietet, dies ihre Habgier iſt: ich habe gute Gründe, dies zu wiſſen; ich bin auch entzückt, ihr dadurch ein Opfer zu entziehen, daß ich Sie über die Herzogin aufkläre . MNun, auf baldiges Wiederſehen, mein Kind; es freut mich ſehr, daß ich Ihnen durch dieſen Rath einen kleinen Kummer über verletzte Eitelkeit, was der ſchlimmſte Kummer für edle Herzen wie das Ihrige iſt, erſpart habe Setzen Sie mich oft in Stand, Ihnen zu etwas
dienlich ſein zu können; ſo wenig es auch ſein mag, ſo macht es mich doch zufrieden, in Erwartung von Beſſerem. Am Sonnabend alſo.“ „Am Sonnabend, Herr Marquis.“
Herr von Maillefort entfernte ſich, und Herminie blieb allein mit ihrem grenzenloſen Schmerz.


