Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Ich kenne Ihr Herz und die Entſchiedenheit Ihres Geiſtes genug, mein liebes Kind, um von der Sicherheit Ihrer Wahl überzeugt zu ſein.

Ein einziger Zug, der erſt vor einer Stunde vorge⸗ fallen iſt, mein Herr, wird Sie den Muth und die Herzens⸗ güte meiner Freundin beurtheilen laſſen: mit Lebensgefahr, denn ſie iſt verwundet worden, hat ſie einen armen Greis einem ſichern Tod entriſſen, ſprach Herminie. Und ſtolz auf ihre Freundin, die ſie ſo, wie ſie es verdiente, ſchätzen laſſen wollte, erzählte ſie mit wenigen Worten das muthige Benehmen von Erneſtine gegen den Commandanten Bernard.

Man erräth, wie tief bewegt ſich der Marquis bei dieſer unerwarteten Offenbarung fühlte, die ihm Fräulein von Beaumesnil unter einem ſo rührenden Anblick zeigte; er rief auch:

Das iſt wunderbar muthig und edel!

Dann fügte er bei:

Ich war feſt überzeugt, Sie könnten Ihre Freund⸗ ſchaft nur würdig verſchenken, mein liebes Kind. .. aber wer iſt denn dieſes wackere, vortreffliche Mädchen?

Eine Waiſe wie ich und lebt wie ich von ihrer Arbeit: ſie iſt Stickerin.

Ah! . . ſie iſt Stickerin ?. . . Doch da ſie eine Waiſe iſt, lebt ſie wohl allein?

Nein, mein Herr, ſie lebt bei einer ihrer Ver⸗

wandtinnen, welche ſie am Sonntag Abend auf einem

kleinen Ball, wo ich ſie zum erſten Mal traf, vorgeſtellt hat.

Der Marquis glaubte zu träumen: er war einen Augenblick auf dem Punkt, zu vermuthen, Jemand von der Familie der la Rochaigue ſei bei dieſem ſeltſamen Ge⸗ heimniß betheiligt. Doch das blinde Zutrauen, das er mit Recht zu der Redlichkeit von Herminie hatte, ließ ihn dieſen Gedanken verwerfen; aber er fragte ſich, wie es Fräulein von Beaumesnil wohl gemacht habe, um auf einen ganzen Abend das Haus ihres Vormunds ohne Wiſſen des Ba⸗ rons und ſeiner Familie zu verlaſſen, und auf den Ball