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Ihr Kummer, da Sie ſo ſchöne Ausſichten auf Glück ge⸗ funden?“
„Nicht wahr, Erneſtine, meine Liebe war ſehr ent⸗ ſchuldbar!“ ſagte die Arme, indem ſie ihr Sacktuch an ihre Lippen drückte, um ihr Schluchzen zu bewältigen. „Nicht wahr, es war von meiner Seite eine edle und redliche Liebe? Oh! ſprechen Sie .. nicht wahr, man kann mich nicht anklagen . ..
Herminie vollendete nicht, ihre Thränen erſtickten ihre Stimme.
„Sie anklagen?“ rief Erneſtine, „aber mein Gott, worüber denn anklagen? Sind Sie nicht frei, wie Herr Gerald, liebt er Sie nicht eben ſo ſehr, als Sie ihn lie⸗ ben? Beide Theile find fleißig, der Stand iſt gleich . .“
„Nein,“ entgegnete Herminie niedergeſchlagen, „nein, unſer Stand iſt nicht gleich.“
„Was ſagen Sie?“
„Nein, er iſt leider nicht gleich, und darin liegt mein Unglück, denn um ihn ſcheinbar gleich zu machen, hat mich Gerald durch ein falſches Aeußeres getäuſcht.“
„Oh! mein Gott . . . wer iſt er denn?“
„Der Herzog von Senneterre.“
„Der Herzog von Senneterre!“ rief Erneſtine von Staunen und Schrecken für Herminie bei dem Gedanken ergriffen, Gerald ſei einer von den Bewerbern um ihre Hand und ſie müſſe mit ihm auf dem Ball am andern Tag zuſammentreffen. Er hintergehe alſo auf eine un⸗ würdige Weiſe Herminie, da er ſeinen Plänen einer Heirath mit der reichen Erbin Folge gebe.
Herminie ſchrieb das tiefe, ſtumme Erſtaunen ihrer Freundin einer Gemüthsbewegung zu, die eine ſolche Offen⸗ barung bei ihr veranlaſſen müßte, und fuhr fort:
„Sagen Sie nun, Erneſtine, bin ich unglücklich genug?“
„Oh! ein ſolcher Betrug, das iſt ſchändlich . . . Aber wie haben Sie erfahren?“
„Herr von Senneterre fühlte ſich, wie er ſagte, un⸗ fähig, länger ein Leben beſtändiger Falſchheiten zu ertra⸗


