Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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immer mehr, was dieſes heldenmüthige Opfer Gräßliches für ſie hatte, je mehr ſie darüber nachdachte. In einer unwillkührlichen Anſpielung ſagte ſie auch, zuerſt ein Stillſchweigen von einigen Augenblicken brechend: Ach! meine arme Erneſtine, wer ſollte glauben, die reinſten, die edelſten Zuneigungen koͤnnten von ſchändlichem Verdacht beſteckt werden.

Und unfähig, ſich länger zu bewältigen, zerfloß ſie in

Thränen, während ſie ihr Geſicht am Buſen von Erneſtine verbarg, welche ſich erhob, ihre Freundin an ihr Herz drückte und zu ihr ſagte:

Mein Gott! . . . Herminie, was haben Sie? Ich bemerkte wohl, daß Sie immer trauriger wurden; doch ich wagte es nicht, Sie nach der Urſache ihres Kummers zu fragen . . .

Sprechen wir nicht mehr davon, erwiederte Her⸗ minie, welche fich ihrer Thränen zu ſchien,ver⸗ zeihen Sie mir dieſe Schwäche aber peinliche Erin⸗ nerungen machten ſo eben.

Ich habe kein Recht auf Ihre Bekenntniſſe. . . doch nan leidet, Zuweilen weniger, wenn man von ſeinen Leiden ſpricht

Oh! ia. .. denn ein unterdrückter Schmerz preßt, tövtet. aber die Demüthigung. . . aber die Scham..

Sie ſollten eine Demüthigung, eine Scham fihien Herminle... O nein! . . . nie, Sie ſind zu ſtolz hiezu.

Ei! iſt es nicht eine feige Schwäche, eine Schande, ſo zu weinen, wie ich es thue, nachdem ich den Muth ge⸗ habt habe, einen gerechten und würdigen Entſchluß zu faſſen?

Und nach kurzem Zogern ſprach die Herzogin zu Erneſtine:

Mein liebes Kind .1 betrachten Sie das, was ich Ihnen ſagen werde, nicht als ein Geſtändniß. . . Ihre außerordentliche Jugend würde mir Bedenklichtelten ma⸗ chen, ſehen Sie vielmehr in meiner Erzählung eine Lection. Eine Lection?