Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Oh! ich begreife das; doch nicht wahr, ſpäter werde ich Sie horen?

Ich verſpreche es Ihnen.

Doch was die Muſik betrifft, fuhr Erneſtine . die ſich alle Mühe gab, um ruhig zu erſcheinen,als ich neulich Abends bei Madame Herbaut neben mehreren jungen Perſonen ſaß, erzählte eine von ihnen, eine Dame, welche ſehr krank geweſen, habe Sie zu ſich rufen laſſen.

Das iſt wahr, erwiederte traurig Herminie, welche eine Zuflucht vor ihren peinlichen Gedanken in der Erin⸗ nerung an ihre Mutter zu finden ſuchte.Ja . . und dieſe Dame war diejenige, von welcher ich Ihnen an jenem AbendErneſtine, weil ſie eine Tochter hatte, die wie Sie hieß.

Und nicht wahr, indem die Pame Sie ſpielen hörte, wurden ihre Leiden minder heftig?

Zuweilen vergaß ſie vieelhen; doch leider genügte dieſe Erleichterung nicht, um ſie zu retten.

Welche rührende Sorge mußten Sie, gut wie Sie ſino, Herminie, für dieſe arme Dame haben!

Sehen Sie, Erneſtine, ihre Lage war auch ſo ſchmerz⸗ lich, mußte ſo ſehr die Theilnahme erregen! . . . es war ſo erſchütternd, ſie noch jung,, eine vielgeliebte Tochter beklagend, ſterben zu ſehen!.

Und fie ſprach zuweilen von ihrer Tochter mit Ihnen, Herminie?

Arme Mutter! ihre Tochter war ihre beſtändige, einzige und letzte Beſchäftigung; ſie hatte ein Portrait von ihr, wie ſie noch als Kind war, und oft ſah ich ſie ihre Augen voll Thränen auf dieſes Gemälde heften; dann ſcgh ſie mir, wie ſehr ihre Tochter ihre Zärtlichkeit durch ihr Gemüth verdiene. Sie ſprach auch von Briefen, die ſie beinahe jeden Tag von ihr empfange, und jede Zeile, fügte ſie dann bei, enthülle die Herzens⸗ güte dieſes geliebten Mädchens.

Um ſo vertraulich mit Ihnen zu Herminie, mußte dieſe Dame Sie ſehr lieben?