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Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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ſie in einem Gefühle keuſcher Beſcheidenheit ſonſt ſtets geſchloſſen hielt.

Erneſtine ſah eine kleine eiſerne Bettſtätte, mit einer Fußdecke von ſehr friſch roſenfarbigem Gingang, ähnlich dem inneren Futter der Zitzvorhänge, worauf ſich eine ge⸗ ſteppte Bettdecke ausbreitete, die mit einer von Herminie geſtickten Garnitur verziert war. Der Hintergrund des Alkoven war auch mit roſenfarbigem Gingang ausgeſchla⸗ gen, und das blendend weiße Kopfkiſſen hatte eine Garni⸗ tur von Moufſeline mit genähten Spitzen. Es ließ ſich nichts Zierlicheres, nichts Friſcheres denken, als dieſes Bett, auf dem ſich Erneſtine, den Bitten der Herzogin nachgebend, halb ausſtreckte.

Herminie ſetzte ſich ſodann in ihr Fauteuil, neben die Waiſe, und ſagte mit zarter Beſorgniß, indem ſie ihre Hände ergriff:

Ich verſichere Sie, Erneſtine, ein wenig Ruhe wird Ihnen wohl thun . . . Wie fühlen Sie ſich?

Ich fühle nur noch eine gewiſſe Schwere im Kopf...

Liebes Kind, welcher furchtbaren Gefahr find Sie entgangen! .

Mein Gott, Herminie, dafür iſt man mir keinen Dank ſchuldig. . . Ich dachte nicht einen Augenblick an die Gefahr. ich ſah den armen Greis von der Böſchung herabgleiten und beinahe unter das Rad des Wagens fallen ich ſchrie, ich eilte auf ihn zu, und obſchon ich nicht ſehr ſtark bin, gelang es mir doch, ich weiß nicht wie, Herrn Bernard weit genug auf meine Seite zu ziehen, um es zu verhindern, daß er nicht zermalmt wurde.

Wackeres, theures Kind . . . welch ein Muth! . Und Ihre Wunde?

Indem ich mich erhob, werde ich mich wohl am

Rad geſtoßen haben Im Augenblick fühlte ich

nichts . . Herr Bernard, als er wieder zu ſich kam,

bemerkte, daß ich verwundet war; doch ſprechen wir nicht

mehr hievon, ich habe mehr Angſt, als Schmerzen ausge⸗ Die ſieben Todſünden. M. 16