Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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den Staat geleitet . . . Gibt es eine ſchoͤnere Rolle für eine Frau?

Sehen Sie, welch ein gefährlicher Schmeichler Herr von la Rochaigue iſt! ſagte die Baronin zu Erneſtine, er iſt im Stand, Ihnen auch den Geſchmack an der Po⸗ litik beibringen zu wollen.

Mir, Madame? oh! das befürchte ich nicht, erwie⸗ derte Erneſtine lächelnd.

Sie mögen ſpotten, ſo lange Sie wollen, ſprach der Baron zu Frau von la Rochaigue;aber ich behaupte, daß meine liebe Mündel in ihrem Weſen etwas Ueberleg⸗ tes. . Geſetztes. Ernſtes hat, was für ihr Alter ſehr merkwürdig iſt, abgeſehen davon, daß ſie unglaublich dem Portrait der ſchönen und berühmten Herzogin von Longueville gleicht, welche unter der Fronde einen ſo großen politiſchen Einfluß ausübte.

Ah! das iſt zu ſtark! rief die Baronin, ihren Gatten mit verdoppelter Heiterkeit unterbrechend.

Einen Augenblick nachdenkend, theilte die Waiſe dieſe Heiterkeit nicht; ſie fand es ſonderbar, daß in weniger als zwei Stunden die drei Perſonen, von denen wir reden, nach und nach entdeckt hatten, ſie vereinigen in ſich die ſeltſamſt entgegengeſetzten Berufe:

Den der frommen Frau,

Den der von der Mode gefeierten Frau,

Den der politiſchen Frau.

Das Geſpräch wurde durch das Geräuſch eines Wa⸗ gens unterbrochen, der in den Hof des Hotels fuhr.

Der Baron ſagte zu ſeiner Frau:

Sie haben heute nicht Beſuche anzunehmen ver⸗ boten?

Nein, aber ich erwarte Niemand, wenn es nicht etwa Frau von Mirecourt iſt, welche zuweilen, ehe ſie in Geſellſchaft geht, zu mir kommt, wie Sie wiſſen.

Wo wollen Sie Frau von Mirecourt, wenn es dieſe iſt, empfangen?

Meine liebe Schöne, ſprach die Baronin zu Erne⸗