Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Uhr zu gehen, ſo dachte ich, dieſe Stunde müßte auch die meinige ſein. Meine liebe Schöne, ich habe Ihnen ſchon geſagt, ich werde von einer unbarmherzigen Aufrichtigkeit ſein .

Und dafür bin ich Ihnen dankbar, Madame.

Sie müſſen ſich allerdings nicht hochmüthig darauf zeigen, daß Sie die reichſte Erbin Fränkreichs find . Doch ohne dieſe Stellung dadurch, daß Sie Andere Ihrem Willen und ihren Launen zu fröhnen nöthigen, miß⸗ brauchen zu wollen, müſſen Sie ſich doch auch nicht immer beeifern, dem geringſten Wunſche Anderer entgegenzukommen. Noch einmal, vergeſſen Sie nicht, daß Ihr ungeheures Vermögen . . .

Ach! Madame, erwiederte Erneſtine, ohne zwei Thränen zurückhalten zu können, welche üher ihre Wangen rollten,ich thue im Gegentheil mein Möglichſtes, um nicht an dieſes Vermögen zu denken denn es erinnert mich daran, daß ich Waiſe bin.

Arme, liebe Schöne, ſprach Frau von la Rochaigue, Erneſtine mit zärtlichem Erguſſe küſſend,wie böſe bin ich über mich, daß ich Sie unwillkührlich traurig gemacht habe! Ich beſchwwöre Sie, trocknen Sie Ihre ſchonen Augen, ich bin tief betrübt, wenn ich Sie weinen ſehe, es ergreift mich ſchmerzlich! . . .

Erneſtine trocknete langſam ihre Thränen; die Baro⸗ nin fuhr liebevoll fort:

Auf, mein Kind, Muth gefaßt . es iſt allerdings ein furchtbares, ein unwiederbringliches Unglück, Waiſe zu ſein, doch gerade, weil es unwiederbringlich iſt .. müſſen Sie es hinnehmen .. Sie müſſen ſich ſagen, daß Ihnen wenigſtens Freunde bleiben, und daß, wenn die Vergan⸗ genheit traurig, doch die Zukunft eine der glänzendſten iſt.

In dem Augenblick, wo Frau von la Rochaigue die Waiſe ſo tröſtete, klopfte man beſcheiden an die Thüre:

Wer iſt da? fragte die Baronin.

Der Oberſthofmeiſter von Fräulein von Beau⸗