Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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Ich war immer frifirt, wie ich es jetzt bin, Madame, und dachte nicht daran, eine Aenderung vorzunehmen, da mir dies, ich muß es geſtehen, ziemlich gleichgültig ift.

Das iſt abermals ein Vorwurf, den ich Ihnen zu machen habe (Sie ſehen, ich endige nicht): Sie müſſen coquette ſein . gewiß, ſehr coquette ... oder vielmehr, ich werde es für Sie ſein .. ich bin ſo ſtolz auf meine reizende Mündel, daß ſie die Hübſcheſte verdunkeln ſoll.

Nie kann mir eine ſolche Anmaßung in den Sinn kommen, erwiederte Erneſtine ſanft lächelnd.

Ich wollte, Sie würden ſich Anmaßungen erlauben, mein Fräulein, entgegnete die Baronin lachend;ich ver⸗ ſtehe das durchaus nicht, und ich werde dieſe Eitelkeiten für Sie haben müſſen. Mit einem Wort, ich will, daß man Sie als die hübſcheſte und eleganteſte junge Perſon nennt wie man Sie eines Tags als die eleganteſte der Frauen anführen wird; . denn unter uns geſagt, ich kenne Sie erſt ſeit geſtern, meine liebe Schöne. Doch nach gewiſſen Richtungen Ihres Weſens, nach gewiſſen ſcheinbar bedeutungsloſen Kleinigkeiten, die ich an Ihnen wahrgenommen, bin ich feſt überzeugt, ich habe es Ihnen ſchon geſagt, daß Sie geboren ſind, um eines Tags eine gefeierte Frau zu werden.

Ich, Madame? verſetzte treuherzig die Waiſe.

Deſſen bin ich ſicher . . und es iſt nicht gerade diejenige eine gefeierte Frau, die es ſein will; es genügt zu dieſem Ende nicht, Schönheit, Reichthum, Geburt zu haben, Marquiſe oder Herzogin zu ſein .. obgleich dieſer letztere Titel einer Frau ein ganz beſonderes Relief verleiht, Nein, nein, man muß mit allen dieſen Vor⸗ zügen ein gewiſſes Etwas verbinden . das die Auf⸗ merkſamkeit feſſelt, gebietet . . . die Huldigungen herbei⸗ zieht und dieſes gewiſſe Etwas werden Sie haben, das läßt ſich nur zu leicht bei Ihnen errathen.

Mein Gott! Madame, Sie ſetzen mich ſehr in Er⸗ ſtaunen. erwiederte das arme Mädchen ganz betäubt, ganz verblüfft.