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Andächtlerin, die ſich beinahe bis zum prophetiſchen Tone
begeiſterte, fortfahren hörte:
„Die Gnade von Oben hat Sie berührt, meine theure Erneſtine! Oh! ja, Alles ſagt mir, der Herr habe Sie bis daher geſegnet, indem er Ihnen die Neigung zu einem muſterhaften, in den Uebungen der Frömmigkeit hingebrachten Leben verliehen, was die anſtändigen Zer⸗ ſtreuungen, die man in der Welt finden kann, nicht aus⸗ ſchließt. . . Ja, Gott beſchützt Sie, meine theure Erne⸗
ſtine und hald wird er Ihnen vielleicht ein noch ſichtbareres Zeichen ſeines allmächtigen Schutzes geben.“
Die Redſeligkeit der Frommen, der ſonſt ſchweigſamen und zurückhaltenden Frömmlerin wurde durch die Erſchei⸗ nung von Frau von la Rochaigue unterbrochen, welche minder beſcheiden als ihre Schwägerin, ohne ſich melden zu laſſen, eintrat.
Nicht wenig erſtaunt, Erneſtine unter vier Augen mit
Belena zu finden, warf die Baronin Anfangs einen miß⸗
trauiſchen Blick auf dieſe; aber Helena nahm ſogleich eine ſo gottſelige, ſo wenig verſtändige Maske an, daß der Arg⸗ wohn der Baronin alsbald wieder verſchwand.
Die Waiſe ſtand auf und ging Frau von la Rochai⸗ gue einige Schritte entgegen; eifrig, lächelnd, geziert und voll Zuvorkommenheit ſagte dieſe zu Erneſtine auf das Zärtlichſte der Welt, indem ſie ihre beiden Hände ergriff:
„Meine Liebe und Schöne, ich komme, um Ihnen, wenn Sie es erlauben, ein wenig bis zum Mittageſſen Geſellſchaft zu leiſten . denn ich bin eiferſüchtig auf das
lück meiner Schwägerin.“
„Wie liebenswürdig ſind Sie gegen mich, Madame!“ antwortete Erneſtine, empfänglich für die Zuvorkommenheit der Baronin.
Helena wandte ſich nach der Thüre und ſagte noch zu dem Mädchen, um die Neugierde ihrer Schwägerin zu befriedigen:
„Nicht wahr, um neun Uhr morgen, das iſt abge⸗
macht?“
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