Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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bei. es war auch eine Mutter . . . und ich weiß nicht, warum ich es vorzog, meine Gebete für meine Mutter an ſie zu richten.

Sie werden ſicherlich wirkſamer ſein, meine theure Erneſtine, und da Sie Ihre Gebete unter der Anrufung der Mutter des Erlöſers begonnen haben, ſo müſſen Sie dieſelben fortſetzen . wir werden alſo jeden Tag um neun Uhr Morgens unſere Andacht in der Kapelle der Jungfrau verrichten.

Ich werde bereit ſein, mein Fräulein.

Sie bevollmächtigen mich alſo, Erneſtine, Befehl zu geben, daß Ihr Wagen und Ihre Leute um dieſe Stunde bereit ſind?

Mein Wagen? meine Leute?

Gewiß, erwiederte die Andächtlerin mit Nachdruck; Ihr mit dem Wappen geſchmückter Wagen; einer von den Lackeien wird uns in die Kirche begleiten und uns eine Sammettaſche nachtragen, in der unſere Gebetbücher enthalten ſind. Sie wiſſen, daß dies bei allen Leuten von Stand gebräuchlich iſt.

Wozu ſo viel Gepränge, mein Fräulein? Ich gehe nur in die Kirche, um zu beten; könnten wir nicht zu Fuße dahin gehen? In dieſer Jahreszeit bei ſo ſchönem Weiten

Welch eine bewunderungswürdige Beſcheidenheit bei ſolchem Reichthum! rief die Andächtlerin,welche Ein⸗ fachheit in der Größe! Ah! Erneſtine, Sie ſind vom Herrn geſegnet! nicht eine Tugend fehlt Ihnen. .. Sie beſitzen die ſeltenſte von allen. .. Die heilige, die göttliche Demuth. . . Sie, die Sie doch die reichſte Erbin Frankreichs ſind.

Erneſtine ſchaute Fräulein Helena mit neuem Erſtau⸗ nen an.

Sie glaubte in ihrer Unſchuld nicht, ſo wunderbare Gefühle dadurch an den Tag gelegt zu haben, daß ſie an einem ſchönen Sommermorgen zu Fuß in die Meſſe zu gehen verlangte; ihr Erſtaunen verdoppelte ſich, als ſie die