Teil eines Werkes 
Die sieben Todsünden : 1. Abtheilung, Die Hoffart oder Die Königin : 2. Band (1847) Les sept péchés capitaux
Entstehung
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8 Krankheit geneſend, zuweilen leicht gebückt. .. eine Hal⸗

tung, welche übrigens die anmuthige Biegſamkeit ihres

äußerſt zierlichen Halſes noch bemerkbarer machte.

Mit einem Wort, trotz ihrer verjährten Alltäglichkeit würde die Vergleichung mit einer auf ihrem Stängel ſich neigenden Blume am beſten das zarte und traurige Geſammtweſen der äußeren Erſcheinung von Er⸗ neſtine von Beaumesnil ausdrücken ..

Eine arme Waiſe, niedergebengt durch den Schmerz, den ihr der Tod ihrer Mutter verurſachte.

Ein armes Kind, niedergedrückt unter der für ſeine Kräfte zu ſchweren Laſt ſeines ungeheuren Reichthums.

Seltſamer Contraſt. es war ein Gefühl rührender Theilnahme wir möchten ſogar ſagen, zarten Mit⸗ leids. was die Phyſiognomie, der Blick, die Haltung dieſer Erbin eines beinahe königlichen Vermögens zu for⸗ dern und einzuflößen ſchien.

Ein ſehr einfaches ſchwarzes Kleid, das Erneſtine trug, erhöhte noch den Gang ihrer Geſichtshaut, die ſich durch eine zartroſige Weiße auszeichnete, die Hände über ihrem Schvoß gekreuzt, den Kopf auf ihren Buſen ge⸗ neigt, ſchien die Waiſe traurig und träumeriſch.

Es hatte halb fünf Uhr geſchlagen, als die Gouver⸗ nante von Erneſtine ſachte eintrat und zu ihr ſagte:

Beliebt es Ihnen, Fräulein von la Rochaigue zu empfangen?

Gewiß, meine gute Lainé, antwortete das Mäd⸗ chen, das bebend aus ſeiner Träumerei erwachte,warum tritt Fräulein von la Rochaigue nicht ein?

Die Gouvernante ging hinaus und kam bald wie⸗

der zurück; Fräulein Helena von la Rochaigue ſchritt ihr

voran.

macht hatte, welche das arme Kind, erſtaunt, beinahe

betrübt, als ſie eine Dame von dem Alter von Fräulein

Dieſe bigotte Perſon redete Erneſtine erſt an, nach⸗ dem ſie ihr zwei tiefe und ceremoniöſe Verbeugungen ge⸗