Erſtes Rapitel.
Am Ende dieſes Tages, in deſſen Verlauf Erneſtine von Beaumesnil, ohne daß ſie etwas davon wußte, der Gegenſtand ſo vieler Begierden, ſo vieler mehr oder min⸗ der geſchickten und unrevlichen Machinationen geweſen war, erwartete das junge Mädchen allein in einem der Salons ſeiner Wohnung, die Stunde des Mittageſſens.
Die reichſte Erbin Frankreichs war durchaus nicht ſchön oder hübſch: ihre zu große und zu weit vor⸗ ſtehende Stirne, ihre hervorſpringenden Backenknochen, ihr ein wenig langes Kinn, verliehen ihren Zügen viel Unre⸗ gelmäßigkeit; blieb man jedoch nicht bei dieſem erſten Anſchein ſtehen, ſo fühlte man ſich allmälig durch den Reiz ihres Mädchengeſichtes angezogen; ihre etwas zu ſtark ausgeprägte, aber glatte und alabaſterartig weiße und von herrlichem, hellkaſtanienbraunem Haar umrahmte Stirne, überragte blaue Augen von unendlicher Gutmüthig⸗ keit, während ein friſchrother Mund mit weißen Zähnen, mit einem ſchwermüthigen und zugleich treuherzigen Lä⸗ cheln für die Unvollkommenheit ihres Geſichtes um Ver⸗ zeihung zu bitten ſchien.
Erſt ſechzehn Jahre alt, war Erneſtine von Beau⸗ mesnil ſehr ſchnell groß geworden; obgleich vollkommen ſchlank, gerade und geſchmeidig gewachſen, hielt ſie ſich doch, von einer von eben dieſem Wachſen herrührenden
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