306
am Triumph der jungen Muſe erfreuten, wieder einigen Muth, und ſie antwortete dem Baron ſchüchtern:
„Mein Herr, dieſer Kranz ſoll für mich nicht eine Belohnung meiner bisherigen Werke ſein, denn ſie verdienen eine ſolche nicht; aber er ſoll mir eine allmächtige Aufmunterung für die Zukunft ſein. Das Wenige, was ich bin, verdanke ich dem Herrn Doctor Max, der meine erſten Verſuche begünſtigt und ge⸗ leitet, und der Frau Clemence Hervé, die mich durch ihre Schriften dazu begeiſtert hat. Nicht das Talent iſt es, was man in mir zu krönen ſo gütig iſt, ſon⸗ dern die edlen und erhabenen Gefühle, die ich nach meinen beſten Kräften zu verdolmetſchen geſucht habe. Wollen Sie gefälligſt Ihren Freunden ſagen, mein Herr, daß es etwas gibt, was meine Dankbarkeit gegen ſie noch überſteigt, nämlich mein glühendes Verlangen mich eines Tages der Beweiſe liebevoller Theilnahme, die Sie mir heute ſchenken und die mir aus Ihrem Munde, mein Herr, doppelt koſtbar ſind, würdig zu zeigen.“
Herr von Hapner verbeugt ſich ehrerbietig; der Doctor zieht den goldenen Kranz aus dem Schrein, welchen Helviſe ihrer mütterlichen Freundin über⸗ geben hat, ſchreitet auf die ſo eben von Philipp modellirte Büſte der jungen Muſe zu und ſagt lächelnd zu dem Baron:
„Wir können dieſes liebe Kind nicht nach ihrem Verdienſt bekränzen, ihre Beſcheidenheit läßt es nicht zu; aber krönen wir wenigſtens ihr Bild!“
Und der Doctor Mar ſetzte den goldenen Kranz auf die reine und edle Stirne der Püſte.
—


