Teil eines Werkes 
3. Band (1857)
Entstehung
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Dann warf ſie dem Doctor Max einen Vipern⸗ blick zu und ſprach:

Wer erbärmlich genug iſt ein Geheimniß aus⸗ zuſchwatzen, das er vermöge ſeines Amtes verſchwei⸗ gen muß, der verdient niemals Glauben . . . ein ſo ehrloſer Denunciant muß der tiefſten Verachtung verfallen.

Ja, Madame, antwortete der Doctor Max in einſchneidendem Tone.Ja, wenn der Denunciant ſich durch Haß oder ein ſchmutziges Intereſſe leiten läßt, ſo iſt er ein ehrloſer Schurke: wer ein ihm an⸗ Geheimniß ausſchwatzt, iſt ein Hunds⸗ bit

So ſind Sie alſo durch ſich ſelbſt gerichtet, verſetzte Frau Robertin,aber ich leugne, daß Sie mich bei Sylvio geſehen haben.

Ich habe Sie bei ihm geſehen, Madame, und ich habe dies aufdecken müſſen, ſagte der Doctor. Derjenige iſt kein Denunciant, der ſich, um großes Unglück zu verhüten, genöthigt ſieht den Haß, das Laſter und die Heuchelei zu entlarven; derjenige iſt kein Denunciant, der, um eine herzloſe Mutter, eine ſchamloſe Ehebrecherin zu beſtrafen, einem auf ſchänd⸗ liche Art getäuſchten, verhöhnten, verrathenen Manne die Augen öffnet und das ſichere Mittel an die Hand gibt, um den fortwährenden Ausſchweifungen ſeiner Frau ein Ziel zu ſetzen und ſie ſo gut zu beſtrafen, wie ſie beſtraft zu werden verdient, und zwar ohne Lärm oder Skandal zu machen, indem er ihr die Thüre zur Reue und Beſſerung offen läßt; nein, ein ſolcher Mann iſt kein Denunciant . . . er erfüllt die ſtrenge Pflicht eines rechtſchaffenen Mannes;