288
wagte es nicht mehr ſich dieſer Liebe hinzugeben, weil er fürchten mußte ohne ſein Wiſſen oder Wollen einen Jungen zu lieben . . . Herr mein Gott, das war furchtbar: Schon der Gedanke daran trieb uns kalten Angſtſchweiß aus . . . Mittlerweile hat Herr Philipp dieſes verdammte Buch der moderne Cherubin in der Werkſtatt gefunden . . . Ach, Ma⸗ dame Clemence Hervé . . . Welch ein Buch! Als wir es laſen, da wurden unſere Wangen roth und glühend. . . Ach, du himmliſche Güte, ich habe von Frauen geträumt, gerade wie der heilige Anto⸗ nius in ſeiner Verſuchung,“ — fügte Julian mit ſittſamem Erröthen hinzu. „Endlich . . . gerade in dieſem Augenblicke kam Madame,“ — er warf dabei einen Blick auf die Verfaſſerin des modernen Cherubin, ohne daß er ſie förmlich anzuſehen wagte, „in dieſem Augenblicke kam Madame in den Garten, um Herrn Philipp anzulocken und mit ihm zu äugeln, zu kokettiren, Poſſen zu treiben und ſchmachtende Blicke zuzuwerfen . . . Kurz und gut, ſie wollte weiter Richts als meinen Herrn verführen. Ja,“ fuhr der würdige Burſche im Tone zornigen Vorwurfs fort, indem er ſich ſogar unterſtand ſeine Augen gegen Virginie aufzuſchlagen, — „ſie wollte ihn verführen, die garſtige Perſon! während er im Grunde ſeiner Seele doch noch immer Maria Saint⸗ Clair liebte, natürlich unter der Bedingung, daß ſie kein abſcheulicher Ladenſchwengel ſei. Denn ich ſah es wohl, daß . . . daß . . . barmherziger Gott, wie
ſoll ich das Alles erklären . . . ich ſah wohl, daß
mein junger Herr, obſchon er wie ich auch durch dieſes verdammte Buch aufgeregt, verzaubert und
———


