Teil eines Werkes 
3. Band (1857)
Entstehung
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nein, aber ſie waren egviſtiſch, gierig, und ganz be⸗ ſonders fehlte es ihnen an jenem Zartgefühl, das man die Schamhaftigkeit des Edelmuthes nennen könnte; ſie hatten kein Maß und Ziel in den An⸗ forderungen, die ſie an ihre Nichte machten; und da ſie überzeugt waren, daß dieſe trotz dem beſten Willen nie in den Stand kommen würde ihre Schuld an ſie abzutragen, ſo riefen ſie ihr unaufhörlich, wenn auch nicht mit Härte, doch wenigſtens mit einer gewiſſen plumpen und für den zum Dank verpflich⸗ teten Theil ſtets demüthigenden Selbſtgefälligkeit ihre Wohlthaten ins Gedächtniß zurück.

Eines Morgens frühſtückten die Morand'ſchen Eheleute und ließen ſich von ihrer Nichte bedienen. Auf dieſe Art konnten ſie, wie ſie ſagten, ungeſtört plaudern, ohne die zudringliche Neugierde des einen oder andern Dienſtboten fürchten zu müſſen. Helviſe mußte oft aufſtehen, um die wiederholten Befehle, die ſie empfing, auszuführen; dann ſetzte ſie ſich wieder an ihren Platz, ohne den mindeſten Unwillen über dieſe beinahe ſtlaviſche Unterworfenheit zu ver⸗ rathen.

Helviſe war mehr als mittlerer Größe, ſchlank, geſchmeidig, vortrefflich proportionirt, und man konnte ſie eine wirkliche Schönheit nennen; gleichwohl würde ein aufmerkſamer Beobachter noch mehr von dem ge⸗ dankenreichen und hochſinnigen Charakter dieſer edlen Phyſiognomie, als von der lieblichen Regelmäßigkeit ihrer Züge gefeſſelt worden ſein. Sie hatte üppige blonde Haare; ihr reiner weißer Teint, durchſichtig wie bei einem Kinde,röthete ſich bei der unbedeu⸗ tendſten Gemüthsbewegung; ihre blauen Augen, die