Teil eines Werkes 
4. Band (1858) Schluß
Entstehung
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eines jungen Mäbchens leiten? Was weiß ich?

Kann ich nicht, da ich einmal feſt entſchloſſen bin mich und meine Mutter auf eine ehrenhafte Art durchzubringen, mit Sicherheit darauf rechnen, daß es mir gelingen werde? Ich frage das Sie, Herr Doctor.“

„Mein Fräulein,“ antwortete der Doctor, „Sie wenden ſich bei einem ſehr mißlichen Umſtand an meine Aufrichtigkeit; es wäre höchſt unrecht von mir, wenn ich Ihnen die Wahrheit verſchweigen wollte.“

„Hörſt Du.. arme Henriette hörſt Du den Herrn Doctor?“

„Ach, mein Fräulein, mein Beruf weiht mich in das Geheimniß gar manchen Elends ein; dieſe

Stickereien und Näharbeiten, auf welche Sie zäh⸗

len, wiſſen Sie, was dieſelben ganz ausgezeichne⸗ ten Arbeiterinnen eintragen, die ſich zuweilen acht⸗ zehn bis zwanzig Stunden des Tags damit abmühen und ihre Lebenskraft, ihre Geſundheit ohne Gnade und Barmherzigkeit dabei einbüßen? Dieſe armen Mädchen verdienen damit ſo viel, daß ſie, ich will nicht ſagen, davon leben können, aber doch nicht geradezu verhungern müſſen.“

„Ach mein Gott! Henriette, Du hörſts!“ ſagte Frau Gabert ſeufzend; „Du hörſts . . wenn unſere letzten Mittel erſchöpft ſind, ſo ſind wir verloren.“

„Nein, nein,“ verſetzte das junge Mädchen, ſich gegen das Unglück ſteifend, „Gott kann das Rind nicht verlaſſen, das ſein und ſeiner Mutter Leben durch ſeine Arbeit zu friſten verlangt.“

Sue, der Teufel als Arzt. Iw. 10