30
Lieber ſterben als Dir den mindeſten Verdruß be⸗ reiten; dieſe Heirath wird nicht ſtattfinden.“
„Was willſt Du, gute Mutter?“ verſetzte das junge Mädchen, indem ſie vollkommen aufrichtig erſchien, „ich kann mich nicht an den Gedanken ge⸗ wöhnen in die Penſion zurückzukehren.“
„Wie!“ erwiderte Madame Dumesnil ganz be⸗ ſtürzt, „was willſt Du damit ſagen? welcher Zu⸗ ſammenhang findet zwiſchen der Penſion und dieſer Heirath ſtatt?“
„Mein Gott . .. es iſt ganz einfach: wenn Du Dich wieder verheiratheſt, ſd wirſt Du mich gewiß wieder in eine Penſion geben, wie ich ein Jahr vor dem Tod meines Vaters in einer ſolchen war.“
„Ei wie!“ rief Frau Dumesnil mit einer vor Freude zitternden Stimme, „iſt das der einzige Grund, meine Henriette, warum Du mich ſo drin⸗ gend erſuchteſt Wittwe zu bleiben?“
„Allerdings es wäre mir allzu ſchmerzlich mich von Dir trennen zu müſſen.“
„Nein, im Gegentheil,“ rief Frau Dumesnil, indem ſie wonnetrunken ihre Tochter küßte, „wie haſt Du einen Augenblick annehmen können, böſes Kind, daß es mir möglich wäre fern von Dir zu leben, während ich doch meine Heirath Deinem Willen unterſtellte, um Dir keinen Kummer zu verurſachen . . . nein, nein, meine liebe Henriette, wir werden uns nie verlaſſen.“
„Oh, in dieſem Fall, gute Mutter, da ich ver⸗ ſichert bin immer bei Dir bleiben zu können, ſehe


