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Kummer, die geringſte Unannehmlichkeit macht, ſo geſtehe mir's offen, und ich werde darauf verzich⸗ ten; ich werde mich mit dem Gedanken tröſten, daß ich Dir einen Kummer erſpart habe. Ueberleg Dir die Sache und ſage mir morgen, ob ich Herrn Stanislas heirathen ſoll oder nicht.“
Und die Wittwe verließ ihre Tochter höchlich überraſcht und in Nachdenken verſunken.
Henriette hatte, wie wir bereits geſagt, von ihrem Vater eine ſeltene Charakterfeſtigkeit, geſun⸗ den Verſtand und ernſte Beſonnenheit geerbt; mit dieſen Vorzügen verband ſie eine vollendete Seelen⸗ güte und ungemeine Sanftheit. Das junge Mäd⸗ chen war Anfangs, als ihre Mutter ihr dieſe Hei⸗ rathspläne anvertraute, ganz verdutzt; Herr Gabert hatte ſich gegen ſie als den gefälligſten und gut⸗ müthigſten aller Vormünder erwieſen; er hatte im⸗ mer ihre Gedanken zu errathen geſucht, damit ja keine Uneinigkeit ſtattfinden ſolle; er war ihren ge⸗ ringſten Wünſchen zuvorgekommen; er hatte unauf⸗ hörlich und abſichtlich die vortrefflichen Eigenſchaften ihrer Mutter geprieſen, welche er mit der achtungs⸗ vollſten Aufmerkſamkeit umgab; kurz und gut, Herr Stanislas war in Henriettes Augen ein rechtſchaf⸗
fener Mann. Als man ihr jedoch von den Hei⸗
rathsplänen ſagte, worüber ſie ſelbſt entſcheiden ſollte, da war ſie betroffen, beinahe erſchrocken über die ernſte Bedeutung des Verhältniſſes, das ihre Mutter einzugehen wünſchte; ſie ſann lange nach; und mit eben ſo viel Takt als Verſtand ſtellte ſie ſich perſönlich außerhalb der Frage, um ſie


