Teil eines Werkes 
4. Band (1858) Schluß
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

Man ſchwatze in der Nachbarſchaft, antwortete er mit einem Seufzer, es ſei bereits von einer zweiten Verheirathung der Frau Dumesmil die Rede, und er ſelbſt werde als der zukünftige Gatte bezeichnet. Im Uebrigen könne er ſich nicht mehr täuſchen, er liebe Frau Dumesnil aufs Innigſte. Dieſe Liebe werde nun ohne Zweifel bei dem großen Mißverhältniß des beiderſeitigen Vermögens nicht getheilt werden, und Herr Gabert müſſe alſo auf die Macht der Entfernung und der Zeit rechnen, um über eine hoffnungsloſe Leidenſchaft zu trium⸗ phiren, die, wenn er ſich ihr hingäbe, ewiges Be⸗ dauern bei ihm hinterlaſſen würde.

Die gute, leichtgläubige Wittwe fiel in die Schlinge, und aufs tiefſte ergriffen durch ein ſo plötz⸗ liches unvorhergeſehenes Bekenntniß, machte ſie Herrn Stanislas ſanfte Vorwürfe, daß er einen Augen⸗ blick geglaubt habe, ſeine Armuth könne dieſer Hei⸗ rath im Wege ſtehen; das einzige Hinderniß, das ſie immer geſehen habe, ſei ihr eigenes Alter; da

jedoch dieſer liebe Herr Stanislas verſichere, daß die geſtandenen Frauen von dreißig bis fünf⸗ zig Jahren in phyſiſcher Beziehung keinen merklichen Unterſchied darbieten, und da überdieß noch mehrere Jahre fehlen, bis ſie die verhängnißvolle Gränze der Fünfziger erreicht habe, ſo würde dieſe Verbin⸗ dung ihre höchſte Freude und ihr höchſtes Glück ausmachen. Da es ihr indeſſen nicht unbekannt ſei, daß die Kinder erſter Ehe häufig eine Wiederver⸗ heirathung ihrer Mutter nur mit Widerwillen und Verdruß anſehen, ſo ſtelle ſie eine einzige Bedin⸗ gung, von der ſie aber nie abgehen werde, näm⸗