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In den Augen der Welt gibt es nichts Lä⸗ cherlicheres als die Liebe einer Fünfundvierzigeren zu einem jungen Mann; nach unſerer Anſicht aber gibt es im Gegentheil nichts Mitleidwürdigeres als eine ſolche Liebe, wenn diejenige, welche ſie empfindet, ſich vor allen Dingen durch großmüthige Gefühle leiten läßt. So verhielt es ſich mit der Wittwe. Herr Gabert hatte aus hingebungsvoller Anhäng⸗ lichkeit die Vormundſchaft über Henriette in An⸗ ſpruch genommen und ſich entſchloſſen ihr ein zweiter Vater zu ſein; er bewies ihr eine beinahe väterliche Zuneigung; er zeigte ſich gütig, umgänglich, freund⸗ lich gegen Jedermann, uneigennützig; er war arm, ohne ſich ſeiner Armuth zu ſchämen; endlich ſtellte er die gediegenen Eigenſchaften, die er bei einer Frau ſuchte, hoch über Schönheit und Jugend. Kurz und gut, man kann ſich nichts Ehrenhafteres denken als dieſe Außenſeiten, wodurch die Wittwe ſich vollſtändig bethören ließ. Ihre Neigung zu dem Schurken mußte daher um ſo lebhafter werden, als ſie aus ehrenhaften Geſinnungen hervorgegan⸗ gen war. Eines Tags glaubte ſich Gabert ſeiner Herrſchaft ſicher genug, um. Frau Dumesnil mit tief betrübtem Geſicht ankündigen zu können, daß er ſich zu ſeinem großen Bedauern genöthigt ſehe, wenn auch nicht ſeine Beſuche gänzlich einzuſtellen, doch ſie wenigſtens für den Augenblick um Vieles ſeltener zu machen.
Eben ſo überraſcht als betrübt, befragte die Witt⸗ we mit Thränen in den Augen den theuern Sta⸗ nislas um die Urſache dieſes unerwarteten Ent⸗
ſchluſſes.


