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ihre weißen, à la maréchale gepuderten, auf ihren Schläfen gekräuſelten Haare ſind halb verborgen unter den Barben ihrer Haube; ihre Habichtsnaſe, ihre großen grauen Augen mit dem Adlersblicke, deren Glanz das Alter noch nicht geſchwächt hat, der geiſtvolle, energiſche Umriß ihres Mundes, der noch mit ſeinen zweiunddreißig Zähnen vom weißeſten Schmelze bewaffnet iſt, die ſtolze Haltung ihres Kopfes geben ihrer Phyſiognomie einen merkwürdigen Cha⸗ rakter von Feſtigkeit, Verſtand und Adel. Mit einem Worte hätte Saint⸗Simon geſagt:
„Die Frau Herzogin von Sénancourt hatte die „vornehmſte Miene der Welt, ging auf den Wolken und „war in jeder Hinſicht das, was man ſich Vorneh— „mes und höchſt Betiteltes vorzuſtellen vermöchte, „wobei ſie ſich eben ſo ſehr über dem großen Haufen „der Damen von Hofe zeigte, als dieſe über den „Frauen, welche einfach von Stande, ſind.“
Ganz vom Intereſſe ihrer Unterredung in An⸗ ſpruch genommen, haben Tanered und Valentine von Sönancvurt die Gegenwart der Herzogin Witwe nicht bemerkt. Sie bleibt ein paar Schritte von den jun⸗ gen Leuten ſtehen und wirft dahin und dorthin be⸗ trachtende Blicke auf die am Tafelwerk hängenden Familienportraits. Die Abweſenheit eines bedeuten⸗ den Bildes wahrnehmend, bebt ſie dann vor Erſtau⸗ nen und ſpricht ungeſtüm mit lauter Stimme:
„Wo iſt denn mein ſchöner Tizian?“
Bei dieſen Worten unterbrechen Tancred und Valentine ihr Geſpräch, wenden ſich raſch um, und da ſie ihre Großmutter erblicken, laufen ſie voll Eifer auf ſie zu.


