XI.
Charlotte und die Frau des Portier haben Herrn Verneuil in ſein Zimmer gebracht und ins Bett gelegt. Einem Erſticken, das vollkommen dem eines Ertrinken⸗ den ähnlich, preisgegeben, kann dieſer Ruchloſe nur von Zeit zu Zeit mit ſtockender Stimme die Worte vernehmen laſſen:
„Den Arzt!.. den Arzt!. ich. .. ich ſterbe!“
„Und er hat ſein Teſtament nicht gemacht!“ dachte Charlotte, welche am Bette ihres Herrn ſtand und einen Blick zornigen Vorwurfs auf ihn heftete. „Oh! daß er ſein Teſtament nicht hat machen wollen!“
Die Dienerin überließ ſich abermals dieſem für ihr Herz troſtloſen Gedanken, als die Thüre des Zimmers ſich öffnete. Der Doctor Max näherte ſich raſch dem Bette von Herrn Verneuil.
Charlotte, da ſie den Arzt erblickt, den ſie haßt, ruft frecher Weiſe:
„Nicht Sie hat man verlangt; gehen Sie!“
Herr Verneuil vergißt in dieſem kritiſchen Augen⸗ blicke ſeinen Widerwillen gegen den Doctor, deſſen Mühewaltungen ihn ſchon einmal auf eine faſt wun⸗ derbare Art von einer ähnlichen Krankheit geheilt haben, und murmelt, indem er ſchwach ſeine flehenden
Hände bewegt: „Doctor, retten Sie mich! .. retten Sie mich!“
Der Doctor Max wirft einen aufmerkſamen, durchdringenden Blick auf das Geſicht des Kranken, zieht aus ſeinem Rocke eine Brieftaſche, nimmt daraus


