225
die für ihr Geſchlecht erdrückenden Arbeiten ſtumpf⸗ ſinnig gemacht iſt.
Nachdem wir dies geſagt, ſetzen wir unſere Er⸗ zählung fort.
VI.
Madame Verneuil, die ihr nahes Ende vorher fühlte und ihrer Tochter das Schauſpiel ihres Todes⸗ kampfes zu erſparen hoffte, wollte mit der guten Schweſter allein bleiben, und in dieſer Nonne hat ſie Florence Hermann erkannt, der ſie ſich durch Erneſt Beaumont geopfert geglaubt hatte.
Dieſes niederſchmetternde Zuſammentreffen hat momentan die verſcheidenden Kräfte von Adele über⸗ mäßig erregt; ihre ehemalige Freundin hat ſie ein paar Löffel voll von einem herzſtärkenden Tranke neh⸗ men laſſen; wiedergeſtärkt, aber gleichſam noch des Athems beraubt durch die Beſtürzung, ſitzt die Kranke mit ſtarren Augen an ihre Kiſſen angelehnt und hat noch kein Wort geſprochen. Schweſter Florence, er⸗ ſchrocken über die Sypmtome des Todes, die ſie in den Zügen von Madame Verneuil lieſt, hat ihr, immer edles und mitleidiges, Herz brechen gefühlt; ſie zer⸗ fließt in Thränen, fällt am Bette der Sterbenden auf die Kniee, ergreift eine von ihren marmorkalten Hän⸗ den, bedeckt ſie mit Thränen und Küſſen, und mur⸗ melt mit einer durch das Schluchzen gehemmten Stimme:
„Adele! Adele! mein Gott! Dich
Sue, der Teufel als Arzt. J.
wiederfinden!“


