19
ges Geſicht mit olivenfarbigem Teint, Habichtsnaſe, hervorſtehendes Kinn, ein Lächeln bald von cordialer Gutmüthigkeit, bald von einer höhniſchen Grauſamkeit, dies ſind die charakteriſtiſchen Züge der Phyſivgnomie des Doctors. Er genießt eine europäiſche Berühmt⸗ heit; er hat außerordentliche Curen vollbracht, mehr als einen von den Aerzten aufgegebenen und ſchon mit dem Leichentuche bedeckten Sterbenden ins Leben
zurückgerufen. Der Doctor wendet, je nach den Um⸗
ſtänden, die gewöhnliche Pharmakopöe an, ſucht aber vorzugsweiſe ſeine Heilmittel in der Homöopathie, wobei gewiſſe geheimnißvolle Wirkungen ans Wunder⸗ bare zu gränzen ſcheinen. Er bereitet ſelbſt ſeine Toxika, welche faſt immer mit ſchlagenden Eigenſchaf⸗ ten begabt ſind, und trägt gewöhnlich eine infinite⸗ ſimale Apotheke in einer Schachtel von der Größe einer Tabaksdoſe bei ſich. Er bewohnt ein einzeln ſtehendes Haus in der Nähe der Barrière d'Enfer. Seine Conſultationen gibt er außer ſeinem Domicile, in das Niemand eingedrungen iſt. Er hat unfern von ſeiner Wohnung ein paar Zimmer gemiethet; hier empfängt er ſeine Kunden, eine ungeheure und höchſt verſchiedenartige Kundſchaft; er iſt zugleich Arzt eines Hoſpitals, eines Theaters und eines Gefängniſſes. Er
beſucht unentgeldlich die armen Leute und läßt ſeine
Bemühungen theuer denjenigen bezahlen, welcher ſie
reichlich belohnen kann. So gutmüthig er ſich
gegen die mit ſeinem Geiſte und ſeinem Herzen ſym⸗ pathiſirenden Perſonen zeigt, ebenſo grauſam beißend oder hinterhältig ſpöttiſch zeigt er ſich hinſichtlich der ſeiner Achtung unwürdigen Leute. Die, ſo zu ſagen, verborgene Macht, die er der Homöopathie entlehnt,


