300 S
„Für einen Greis! Wie, liebe Miß Mary, Sie hal⸗ ten mich für lächerlich, für närriſch genug, daß ich eine ſolche Anmaßung haben ſollte? Nein, nein, für die
anz väterliche Zuneigung, die ich Ihnen anbiete, werde ich von Ihrer Seite nur eine ganz kindliche Zuneigung erwarten.“
„Vortrefflich, mein Herr; um uns alſo kurz zu faſſen, wenn ich Sie recht verſtehe, iſt es Ihr einziger Wunſch, die ſüßen Freuden der Familie bei einer jun⸗ gen und reizenden Perſon voll Anmuth, Talent und Verſtand zu genießen, welche für Sie die Zärtlichkeit, die Sorgſamkeit einer Tochter für ihren Vater hätte2“
„Ja, ja, liebe Miß Mary! Das iſt mein einziger Wunſch, das iſt mein Traum!“ rief Herr de la Botar⸗ diere mit Entzücken, indem er ſich anſchickte, vor der Erzieherin auf die Kniee zu fallen; doch Miß Mary kam zu rechter Zeit dieſer galanten Kniebeugung zuvor, nahm Herrn de la Botardiére bei der Hand, führte ihn nach dem Salon zurück, wohin er ihr maſchinenmäßig, obgleich ein wenig erſtaunt, folgte, und ſagte mit innigem Tone zu ihm:
„Mein Herr, Niemand wird etwas hievon erfahren, ich aber werde nie den ſo ehrenvollen Antrag, den Sie mir ſo eben gemacht haben, vergeſſen; ich kann ihn leider nicht annehmen, denn ſeit drei Jahren bin ich verlobt mit einem Manne, den ich zärtlich liebe und
den ich demnächſt heirathe. Aber Sie werden bei Ihnen
eine Familie vereinigt finden, welche nur zu glücklich iſt, Sie mit ihrer Zärtlichkeit, mit ihrer Ehrfurcht zu umgeben, und ein junges Mädchen voll Anmuth, Talent und Verſtand, das Sie treu wie einen Vater zu lieben
verlangt.“
Während ſie dieſe Worte geſprochen, die Herrn de la Botardiere in das tiefſte Erſtaunen verſetzten, hatte Miß Mary den Greis an den Salon geführt; ſie öffnete
die Thüre und ſagte:
W-


