Druckschrift 
Miss Mary oder Die Erzieherin / von Eugene Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

299

beweiſen, daß ich für die Süßigkeit eines Familiengefühls empfänglicher bin, als Sie glauben.

Laſſen Sie dieſen Beweis hören, mein Herr.

Sie wiſſen, welche gerechte Beſchwerden ich gegen meine Familie habe 2

Ich gebe die Gerechtigkeit dieſer Beſchwerden durch⸗ aus nicht zu, mein Herr.

Gleichviel! . . . Trotz der Beſchwerden, die ich mit Recht oder mit Unrecht gegen meinen Neffen hatte, war ich hundertmal auf dem Punkt, ihm zu verzeihen und zu ihm zu ſagen:Leben wir als Freunde, wie früher. Eine falſche Scham hat mich zurückgehalten.

Mein Herr, ich unterwerfe mich dem Ausdruck der Aufrichtigkeit Ihrer Worte; es ſei, ich glaube Ihnen. Der Gipfel Ihrer Wünſche wäre alſo, fortan Ihr Leben unter einer von Zärtlichkeit und Verehrung für Sie erfüllten Familie zuzubringen?

Ja, mit einer jungen und reizenden Perſon wie Sie, theure Miß Mary, welche wie Sie voll Anmuth, Talent und Verſtand

Angenommen, es ſei dem Portait nicht ſonderbar geſchmeichelt, mein Herr, glaube ich, daß Ihr Wunſch vollkommen zu verwirklichen iſt.

Ah! liebe Miß!

Doch noch ein Wort, mein Herr; der Gegenſtand iſt ſehr zarter Natur, und Sie kennen meine Offen⸗ herzigkeit.

Ich kenne ſie, ich bewundere ſie, ich bete ſie an, liebe Miß!

Sie haben mir Ihr Alter genannt?

Sechzig Jahre.

Ich bin vierundzwanzig alt.

Der Unterſchied iſt allerdings groß.

Sehr groß; ich würde Sie auch unwürdig täu⸗ ſchen, und überdies würden Sie mir nicht glauben, wenn ich Ihnen ſagte, eine Frau von meinem Alter könne Liebe fühlen ..