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„Weil Herr von Favrolle ſein Wort gebrochen hat,“ verſetzte Gerard bitter; „das iſt ſeine Schuld.“
„Armer Bruder!“ erwiederte Alphonſine mit gerühr⸗ tem Tone, indem ſie ſo auf die Liebe anſpielte, die er ſelbſt für Miß Mary gefühlt hatte, „ich kann nicht um⸗ hin, aufrichtig diejenigen zu beklagen, welche ohne Hoff⸗ nung lieben oder geliebt haben ... Die Abreiſe von Miß Mary wird Herrn von Favrolle einen grauſamen Schlag beibringen, und in ſeinem Kummer werde ich ihm wenigſtens einen zarten, peinlichen Schritt bei un⸗ ſern Eltern erſparen, indem ich ihm ſein Wort zurück⸗
ebe. Möchte er eine Gefährtin finden, die ihn ebenſo
ſhr liebt, als ich ihn geliebt hätte! Und warum ſollte ich nicht ſagen, daß ich ihn liebe?“ ſprach mit bewegter Stimme Alphonſine, eine Geberde ihrer Erzieherin er⸗ wiedernd, welche an Herrn von Favrolle, den unſicht⸗ baren Zeugen dieſer Scene, dachte.
Bis zu Thränen gerührt von dieſer ſo naiven, ſo würdigen, ſo ergebenen Liebe, fing Herr von Favrolle an die wahnſinnige Laune, der er vielleicht das Glück ſeines Lebens geopſfert, grauſam zu bereuen, und er horchte mit einer unbeſchreiblichen Gemüthsbewegung auf dieſes Kind, in dem er alle die ſeltenen Eigenſchaften des Geiſtes und des Herzens wiederfand, die er bei Miß Mary anbetete.
Alphonſine fuhr, ſich an die Erzieherin und an Gerard wendend, fort:
„Ja, warum ſollte ich nicht geſtehen, daß ich Herrn von Favrolle liebe? Hießet Ihr vor vier Monaten nicht Alle, mein Vater, meine Mutter und ſelbſt Du, mein Bruder, mich ihn lieben? Hat er denn ſeitdem die Eigenſchaften verloren, die man an ihm rühmte? muß er weniger geſchätzt, weniger geehrt werden, weil er Miß Mary geliebt hat? Nein, nein, eine ſolche Bevorzugung erhebt ihn im Gegentheil in meinen Augen, und ich wünſchte Herrn von Favrolle von ſeinem Verſprechen zu entbinden ..


