Druckschrift 
Miss Mary oder Die Erzieherin / von Eugene Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
Einzelbild herunterladen

292

bei der Wahl zwiſchen dem Lichte und ſeinem Reflere habe Herr von Favrolle Miß Mary vorziehen müſſen.

Bei dieſen Worten ſuchte Henry Douglas maſchi⸗ nenmäßig mit den Augen ſeinen Nebenbuhler. Aber immer mehr dem Zauber des Mädchens unterliegend, das er einen Augenblick verſchmäht hatte, horchte Herr von Favrolle mit wachſendem Intereſſe.

Alphonſine, die ſich in der Bewegung des Kapitäns getäuſcht, fuhr miv fort:

Ich werde Ihr Erſtaunen mit zwei Worten auf⸗ hören machen. Eine Heirath iſt zwiſchen mir und dem Sohne eines alten Freundes meines Vaters beſchloſſen worden. Ueber dieſe Heirath war ich glücklich, oh! ſehr glücklich! Aber Herr von Favrolle, der Miß Marh bei mir wiedergefunden, hat mich ihretwegen vergeſſen. Was kann einfacher ſein? Sie beſonders, Herr Henry, wird dieſe Bevorzugung nicht in Erſtaunen ſetzen.

Liebe Alphonſine, ſagte die Erzieherin, gerührt von dieſen Worten,wie edel iſt Ihr Herz!

Haben Sie mich nicht beſcheiden ſein gelehrt, Miß Marhs Haben Sie mich nicht auch gelehrt, daß es vft im Leben beſſer iſt, zu handeln, als ſich paſſiv zu erge⸗ ben? Was habe ich ſodann gethan? Nachdem ich er⸗ kannt, daß Herr von Favrolle, ohne ſtrafbar zu ſein, Sie mehr lieben konnte, als mich, habe ich gefühlt, es ſei meiner Pflicht, meiner Würde angemeſſen, Herrn von Favrolle ſein Ehrenwort zurückzugeben, das er gegen meine Familie verpfändet hatte.

Was 2 rief Gerard,Du willſt?

Wie! verſetzte Alphonſine mit einem Ausdruck

freundſchaftlichen Vorwurfs ihren Bruder unterbrechend,

Du wunderſi Dich darüber, daß ich zuerſt eine Verbin⸗ dung breche, welche in anderen Zeiten, unter anderen umſtänden beſchloſſen worden iſt? Was willſt Du, armer Bruder, Alles hat ſich geändert; einſt voller Glücks⸗ verheißungen, iſt heute dieſer Plan nur ein Gegenſtand des Zwangs, der Beklemmung für Herrn von Favrolle.

6