Druckschrift 
Miss Mary oder Die Erzieherin / von Eugene Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
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Ah! mein Herr, rief, ſich an Herrn von Favrolle wendend, Miß Marh, während ſie ein ſchmerzliches Schluchzen nicht mehr zurückhalten konnte,was habe ich Ihnen denn gethan?

Der Kapitän Douglas ſuchte mit der Geberde und dem Blick den Schmerz von Miß Mary zu beſänftigen und ſprach mit kalter Würde zu Herrn von Favrolle:

In Frankreich, wie in England, mein Herr, ſpre⸗ chen wohlerzogene Männer, wie wir Beide ſind, nie leichtſinnig ernſte Worte aus, beſonders wenn dieſe Worte mit großem Unrecht eine der tiefſten Achtung würdige Perſon beunruhigen können. Und mit einem Blick ſchien Henry Douglas zu Herrn Favrolle zu ſagen:Ich werde zu Ihren Befehlen ſein, wann es Ihnen beliebt, doch ängſtigen Sie nicht Miß Mary. Dann fuhr er, ſicher, von ſeinem Nebenbuhler verſtan⸗ den worden zu ſein, fort:

Ich glaube wie Sie, mein Herr, daß Nebenbuhler, welche ernſte Urſachen der Feindſchaft haben, an die Waffen appelliren können und müſſen; doch ich bin über⸗ ſeugt, daß Sie, der Sie wie ich die Angſt von Fräu⸗ ein Lawſon, welche ſich im Sinne Ihrer Worte getäuſcht hat, zu zerſtreuen wünſchen, auch wie ich ſagen werden, nichts in unſerer Lage könne den Entſchluß, den ſie zu fürchten ſcheint, motiviren.

Ich ſage das wie Sie, mein Herr, denn nicht weniger als Ihnen iſt mir daran gelegen, die Furcht von Fräulein Lawſon zu zerſtreuen, antwortete Herr von Favrolle, ſeinen Satz zweideutig betonend, um damit ſeinem Nebenbuhler zu verſtehen zu geben, er errathe ſeine Gedanken.

Von einem gräßlichen Zweifel befreit, trocknete Miß Mary ihre Thränen, und im Erguß ihrer Freude ſagte ſie zu Herrn von Favrolle mit einer vor Aufregung zittern⸗ den Stimme:

Entſchuldigen Sie mich, daß ich an Ihrem Herzen gezweifelt habe. 539