3 vortreffliche Perſon weggeſchickt, ich war von einem peinlichen Gewiſſensbiß befreit, da ich ſie durch unſere dringenden Empfehlungen in einem guten Hauſe unter⸗ gebracht wußte.“ „ch! Louiſe, wie ſehr haben wir Recht gehabt, Miß Marh auszuſchlagen; das arme Mädchen! wenn es zufällig hübſch geweſen wäre! was ich nicht weiß, denn ich muß ſagen, bis jetzt hat mir dies bedeutungs⸗ los geſchienen „Miß Marh? Ach! ich geſtehe nun, aus tauſend Gründen hätte ich ihr Mlle. Lagrange
mein Gott, dies Alles iſt kindiſch, lächerlich, abſcheRlich ſogar, ich weiß es, denn Dir, zu dem ich ein blindes Vertrauen hege, habe ich den größten Theil dieſer bit⸗ teren Empfindungen, deren ich mich ſchäme, verborgen, noch glücklich, wenn ſie nur mich gepeinigt! Doch nein, Vlle. Lagrange hat ohne Zweifel die tauſend hinter⸗ hältiſchen Plackereien nicht aushalten können, und ſie verließ das Haus; ich mochte es immerhin, in meiner Reue, ſie verletzt zu haben, verſuchen, ſie ihren Kummer durch Zuvorkommenheiten, durch einige Geſchenke ver⸗ geſſen zu machen, das war ein ſchüchternes Herz, und mit ihrer unveränderlichen Sanftmuth fand ſie das Mittel, ohne bei mir anzuſtoßen, die Entſchädigungen, die ich ihr bot, nicht anzunehmen. Dies ſind aber die Folgen meines unglücklichen Charakters; es wäre eben ſo bei Fräulein S denn ich verberge es mir nicht, dieſes Zurückweiſen von unſerer Seite
Hier unterbrach ſich Frau von Morville, und ſie fügte dann mit einem Ausdruck von Aufrichtigkeit, der ihrem ſo belebtem Geſichte einen rührenden Zauber verlieh, bei:
„Nein, im Ganzen bin ich keine böſe Frau, ich fühle es wohl. Auch bemerke ich zum Glück zur rechten Zeit, daß wir etwas ſehr Wichtiges in dem Brief an Deinen Bruder vergeſſen haben.“
„Was denn?“ Miß Marh. 3


