mich derſelben, ich ſuchte ſie zu bezingen, nichts von dem, was ich empfand, durchdringen zu laſſen, denn dieſe arme Mile. Larange war das gute Lamm Gottes; unwillkürlich aber vergaß ich mich zuweilen in Bitter⸗ keiten, in albernen Ironien, welche jedoch ihr Ziel tra⸗ fen; ich ſah es an der plötzlichen Traurigkeit dieſer vortrefflichen jungen Perſon, und das iſt noch nicht Alles „
Herr von Morville hatte Anfangs beinahe ſcherzend ziſe ſeiner Frau aufgenommen, doch er ſ ien n ebenſo betrübt als erſtaunt und ſagte: . „Louiſe, Du ſprichſt ſo? Du, deren vortreffliches Herz ich ſo oft geſchätzt, bewundert habe!“
Ihr Männer, Ihr werdet nie etwas von dem Herzen einer Mutter verſtehen; zum Glück ſind nicht alle Mütter wie ich; doch ſo wie ich bin, ſo bekenne ich mich; d wirſt auch nicht begreifen, daß es eine andere Eifer⸗ ſucht von mir war, meine Tochter eben ſo ſehr als mich unter ihrer Etzieherin zu ſehen, mir zu ſugen: dieſes arme Mädchen, geboren in der Loge eines Portier, da der Vater von Wlle. Lagrange Hausmeiſter der Penſion war, wo ſie erzogen worden iſt, dieſes arme Mädchen ohne Namen, ohne Vermögen iſt und wird ſein in allen Dingen der Kunſt und des Wiſſens unendlich mei⸗ ner Tochter überlegen, welche eines Tags fünfzigtauſend Livres Einkünfte bekommen wird! Soll ich Dir etwas noch Schlimmeres geſtehen? Was mich dieſe arme Mlle. Lagrange dulden ließ, iſt der Umſtand, daß ſie häßlich war wie die ſieben Todſünden; wäre ſie hübſch oder hübſcher als Alphonſine geweſen, ſo hätte ich unwill⸗ kürlich einen Haß gegen ſie gefaßt.
„Kurz, ich muß es mir wohl geſtehen, das Reſul⸗ tat von Allem dem iſt geweſen, daß Mlle. Lagrange das Haus unter dem Vorwand geſchwächter Geſundheit u verlaſſen verlangt hat .. ein wahrer Vorwand. ſuprigen⸗ darf ich mir die Gerechtigkeit widerfahren kaſſen, ich hätte eher bis zum Ende gelitten, als dieſe


