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Miss Mary oder Die Erzieherin / von Eugene Sue ; aus dem Französischen von August Zoller
Entstehung
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Konnteſt Du die Zuneigung, welche Deine Tochter für

ſie hatte, mit der vergleichen, die ſie für Dich hegt!“

„War meine Tochter nicht öfter mit ihrer Erzieherin, als mit mir, ſchlief ſie nicht bei ihr, lebte ſie nicht be⸗ ſtändig bei ihr? Theilte nicht Mlle. Lagrange Alles mit ihr, bis auf die damals beinahe noch kindiſchen Spiele von Alphonſine, was mir mein Mutterernſt nicht erlaubte? War nicht .. .“

„Warum unterbrichſt Du Dich?“

„Nun ja, ſo peinlich es zu geſtehen iſt, ich kann ge Dir zu dieſer Stunde ſagen, da wir entſchloſſen ſind,

keine Erzieherin mehr zu nehmen, denn im Ganzen bin

ich keine böſe Frau.“ „Oh. nein!“

„Oh! nein? Du weißt es nicht und ich auch nicht. *

Das macht Dich lachen; Du haſt Unrecht, denn war es ein gutes oder ein ſchlimmes Gefühl, daß mich, nicht ein Bedauern, ſondern eine Art von beinahe gehäſſigem Neid erfaßte, da ich eine Fremde meine Tochter lehren ſah, was ſie nicht zu lehren vermochte? War es ein gutes Gefühl, wenn ich mir mit Bitterkeit ſagte: Dieſe Fremde ſteht über mir in den Augen meiner Tochter in einer gewiſſen Hinſicht, denn gegen dieſe Erzieherin bin ich, die ich weder die Muſik, noch das Zeichnen, noch eine fremde Sprache, noch ſo viele andere Dinge verſtehe, eine Unwiſſende, eine Dumme, und trotz ihrer Zärtlichkeit für mich muß meine Tochter das Gefühl meiner Nichtigkeit haben 26

„Louiſe,“ ſagte lachend Herr von Morville, „das iſt Uebertreibung nach Art von Frau Pivolet, nimm Dich in Acht!“ »Mein Freund, Du haſt Unrecht, daß Du ſcherzeſt; ich ſpreche im Ernſte von tollen, aber grauſamen Leiden, von denen ich mich zu zerſtreuen ſuchte, indem ich zahl⸗ reiche Einladungen von unſeren Nachbarn annahm, während Du mit Deinen Büchern allein hier bliebſt. Dieſe Leiden, Du haſt ſie nicht geahnet; ich ſchämte

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