Begebenheiten eines Weltmannes. 185
„Freilich komme ich, heute lieber als morgen.“
„Heute nicht, ja nicht, ich erwarte einen griesgrämigen Alten, der morgen dahin nachreiſ't, wohin mein Mann ſchon voraus iſt, dann ſind wir ſicher — jetzt bleib' hinter mir, und wohl zu merken, hübſch fremd gethan, ſobald uns Leute ſehen.“
„Adieu!“ rief er und drückte einen herzinnigen Kuß auf ihre Lippen.
„Ade, Ade, auf Wiederſehen!“ erwiederte ſie, den Kuß zurückgebend; dann eilte ſie voraus, um eher anzulangen als er.
Er ging wieder eine Strecke zurück, um ihr hinlänglichen Vorſprung zu laſſen; als er ſich umſchaute, erblickte er ſie ſchon nicht mehr.
„Sonderbar, ſonderbar!“ rief er, den Kopf ſchüttelnd, wobei ein tiefſinniges Lächeln über ſeine Züge ſpielte; „wer hätte das gedacht, vor einer Stunde noch gedacht? — ſie kennt mich nicht, ich habe ſie in meinem Leben nicht geſehen, wir finden uns, wir ſchlingen uns aneinander, vielleicht reißen uns die ſchießenden Wellen der Zeit, auf welchen wir vorwärts ſchwim⸗ men, wieder voneinander, ehe der Baum des Jahres einen Ta⸗ gesring angeſetzt hat — wer kann's wiſſen, wer vorausſehen?“
In Gedanken verloren drehte er ſich um und ging lang⸗ ſamen Schrittes auf die Herberge los, in welcher er ſeinen


