Begebenheiten eines Weltmannes. 39
eine gewiſſe Anmuth über ihre ganze Perſon und die Roſen ihrer Schönheit waren keineswegs Lerwelkt. Ihr dunkelblondes Haar war kunſtreich und geſchmackvoll geordnet, ihre Stirn hoch und ihre Augen hatten noch nichts von dem Feuer ver⸗ loren, welches ſeit ihrer frühen Jugend dieſelben verklärt hatte. Den⸗ noch war ſie geſetzt in ihrem Benehmen, ihr Verſtand war aus⸗ gebildet und ſcharf, aber zugleich ſprach ſich eine Weichheit des Gefühls und, eine Empfänglichkeit des Herzens in ihrem Weſen aus, welche jedermann, der ſie auch nur oberflächlich kannte, für ſie einnehmen mußte. Ihre Kleidung war einfach, für ihre Jahre ſogar etwas zu matronenartig, indeß gerade dieſer Um⸗ ſtand hob ihre Schönheit deſto mehr hervor.
Dagegen war Leopoldine die junge Roſe, welche ihren Buſen kaum zur Hälfte unter der ſcheinenden Sonne des Lebens aufgethan hatte; ſie ſchien mehr noch in den Träumen der Kindheit zu leben als in der Wirklichkeit; ihre ganze Erſchei⸗ nung war der eines zarten Engelweſens vergleichbar, welches man nicht mit rauher Hand betaſten durfte, wenn es nicht als⸗ bald dahinſterben ſollte, wie die junge Blüthe, wenn der kalte Nordwind ſie angehaucht hat, vorzeitig dahinwelkt. Das hoch⸗ blonde Lockenhaar hatte ſie aufgelöſ't und es quoll in reicher Fülle hernieder bis über den weißen Nacken, den es bedeckte, die ſchelmiſchen Augen leuchteten in klarerem Blau als der reinſte Sommerhimmel, das ſanfte Incarnat der Wangen war


