Caſanova.
„Gieb Dich zufrieden, Kind!“ rief die freundliche Dame, indem ſie ihrer lieblichen Leopoldine liebreich die Wangen ſtreichelte; „der Herr nimmt es nicht übel; ſetzen Sie ſich, mein Freund, hoffentlich werden wir bald näher mit einander bekannt.“
„Mir ſehr ſchmeichelhaft, ſehr ehrenvoll!“ erwiederte der Jüngling freudetrunken; „möchte ich mich Ihres ſchätzbaren Wohlwollens nur würdig zu machen verſtehen.“
„Sie ſind es ſchon!“ rief die Dame; „Sie haben uns hinreichende Beweiſe Ihres Edelmuthes gegeben und können ſich darauf verlaſſen, daß wir nie vergeſſen werden was Sie für uns gethan haben.“
Caſanova verneigte ſich gegen die Sprechende und dieſe fuhr ſogleich fort ſich zu erkundigen, wo die Gentlemen ſein müßten, welche ihnen ſchon ſeit ſo und ſo lange als höchſt
läſtige Geſellſchaft auf jedem Schritte gefolgt waren.
Die kurze Auskunft, welche ſie hierauf erhielt, beſagte, daß dieſe Herren jetzt in der Unterſtube ſäßen, wo ſie ihr Mög⸗ lichſtes thäten, um ihren Aerger in einem tüchtigen Rauſche zu vergeſſen.
Während aufgetragen wurde, hatte der Jüngling Gelegen⸗
heit die beiden Frauen näher in's Auge zu faſſen. Jenny Temple war ſchon in dem Alter, daß ſie recht gut Leopol⸗ dinens Mutter hätte ſein können, aber dennoch verbreitete ſich


