Teil eines Werkes 
4. Band (1849)
Entstehung
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36 Caſanova.

ſteht in Gottes Hand, mag ich nun feſten Boden unter meinen Füßen haben oder mich dem zerbrechlichen Fahrzeuge anvertrauen, welches auf den Gewäſſern des Meeres ſchwimmt. Ohne große Beſchwerden habe ich die Seereiſe gemacht und durchſchweife nun ſchon ſeit mehrern Jahren dieſen Continent nach allen Richtungen wie ein Zugvogel, der nirgends eine bleibende Stätte findet.“

„Ein Glück für mich,“ rief er wieder; „vielleicht hätte ich Sie niemals geſehen und die ſchönſte Stunde meines Lebens nicht genoſſen, wenn dieſe raſtloſe Sehnſucht nicht in Ihrem Herzen gewaltet hätte und Sie mit einem feſten Wohnſitze zu⸗ frieden geweſen wären. Wohin wollen Sie von hier aus, wenn

man fragen darf?“

„Nach Italien zunächſt, zu meinem Oheim väterlicher Seite, dem einzigen Verwandten, welcher mir noch übrig iſt.“ „Sie ſind eine Waiſe?“ fragte er theilnehmend.

„Seit meiner Kindheit!“ ſagte ſie mit einem Anfluge von Schwermuth; „meine Mutter hab' ich nie gekannt, mein Vater ſtarb auf einer Reiſe nach einer fernen Pflanzung, welche er angekauft hatte, als ich kaum ſieben Jahre zählte.“

„Alſo Ihre Begleiterin iſt nicht Ihre Mutter?“ fragte er.

„Nein, das nicht, aber ſie hat ſo viel an mir gethan wie eine Mutter und hat mich ebenſo lieb, aber ich ſie auch — meine Mutter war eine Deutſche aus Penſylvanien und ihre