dem Manne, den ich am meiſten achtete und liebte, eine ſchimpfliche Liebe zu meinem Gemahl erheucheln mußte!
Die Bitte der Herzogin, ich möchte ihren Garten⸗ pavillon mit meinem Manne gemeinſchaftlich bewohnen, lehnte ich aus leicht begreiflichen Urſachen ab. Die Lüge hinſichtlich meines guten Einverſtändniſſes mit meinem Gemahl wäre bald ans Tageslicht gekommen.
Welche zärtliche Vorwürfe mußte ich anhören! ... Ich ſchwieg, denn ſie zeigten mir die Größe der Anhäng⸗ lichkeit ver Frau von Richeville an mich. Auch ver⸗ diente ich ſie in ihren Augen.
Zum erſten Male in meinem Leben koſtete ich die Art bitterſüßen Genuſſes einer Verkennung, die ein einziges Wort in Anbetung umwandeln würde ...
Wie ſchön, ſagte ich mir, von Allen verkannt und angeklagt, ſtill für ſich allein an einem Werke fort arbeiten, das Alle bewundern müßten, wenn ſie die wahren Triebfedern erſchauten.
Erſt damals fühlte ich, wie das Bewußtſein eines edlen Zweckes den Einzelnen im Kampfe gegen die Maſſe aufrecht erhält.
Vor allen Dingen galt es, die Buhlerkünſte Ur⸗ ſulas unſchädlich zu machen, ehe ich Herrn von Roche⸗ gune für Emma gewinnen konnte. ch leugne nicht, daß der heiße Wunſch, ſo ſchnell als möglich mein Ziel zu erreichen und das erhebende Bewußtſein, für eine edle Sache zu wirken, mir unge⸗ wöhnliche Stärke liehen und meine Thatkraft überreiz⸗ ten. Sonſt wäre ich dem Drucke des Opfers erlegen.
Oh! noch in dieſem Augenblicke merkte ich den gewaltigen Unterſchied zwiſchen einer Liebe zu Herrn S Rochegune und meiner frühern Liebe zu Herrn von
ancry.
Letztere hatte alle Saiten meiner Seele erſchlafft und abgeſpannt. Ich konnte nichts, als Dulden. Er⸗ ſtere begeiſterte mich zu den ſchwerſten Opfern. Noch


