Glasgallerie, welche meinen Pavillon mit dem Hauſe der Frau von Richeville verband.
Ich weiß nicht, wie es kömmt; aber gewiſſe Sa⸗ lons wirken ſchon durch ihren Bau und deren Ein⸗ richtung wohlthätig auf das Gemüth und laden zu heiterem, traulichem Geplauder ein. So auch der Salon der Frau von Richeville. Ich habe ſo ſchöne Abende dort verlebt, daß ich der Verſuchung nicht wider⸗ ſtehen kann, ihn kurz zu beſchreiben. Das Bild eines geliebten Ortes weckt die in der Seele ſchlummernden Erinnerungen zu neuem Leben.
Ein mit guten, alten Gemälden reich geſchmücktes Vorzimmer führte in den Sal der Frau von Riche⸗ ville, ihren gewöhnlichen Aufenthalt. Alles in dem⸗ ſelben war mit grünem Damaſt behängt: Wände, Thü⸗ ren, Fenſter und die im beſten Geſchmack des Jahr⸗ hunderts von Ludwig K1V. aus vergoldetem Holz ge⸗ arbeiteten, bronzirten Mobilien.
In der einen Ecke des Kamines ſaßen auf einer großen Cauſeuſe Frau von Richeville und der Fürſt von Héricourt, ein hoher, ſchöner Greis mit weißen Haaren und edlem, heitern, milden Antlitz; auf der andern die Fürſtin von Héricourt, deren blaſſe Züge Würde und engelgleiche Sanfimuth athmeten. Sie trug ihre graugelockten Haare unter der Mütze mit einem gewiſſen Stolz auf ihr Alter, und ſelbſt während ſie mit Frau von Söémur ſich unterhielt, blickte ſie oft wohlgefällig und zufrieden ihren Gemahl an.
Stets fühlte ich eine innige Rührung, ſo oft ich das ehrwürdige Greiſenpaar betrachtete, welches Arm in Arm und feſten Schritts eine ſo ſtürmiſche Zeit durch⸗ pilgert und das Ziel ihrer Laufbahn erreicht hatte — aufrecht, heiter das Auge gen Himmel.
Frau von Sémur, die neben der Fürſtin ſaß, war das Gegenſtück von dieſer. Man wußte nicht, was man aus dem ebenſo edlen als ſchelmiſchen Geſichte dieſer vierzigjährigen Dame machen ſollte. Bald war


