Part 
13. bis 15. Bändchen (1845)
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

früheren Tagen glänzend, lebensluſtig, leichten Sinnes denn er liebte nicht; übermüthig und ſpöttiſch denn er war ſeines Sieges im Voraus gewiß: ſtand er jetzt da, unruhig und finſter, kleinlaut und nieder⸗ geſchlagen, denn er liebte, aber ſeine leidenſchaft⸗ liche Liebe ward verhöhnt und verlacht.

Als Urſula ſich ſatt geſehen hatte, redete Herr n Lanery ſie nochmals an, aber traurig⸗ſchüchtern. An dem Ausdruck ihrer Gebärde und an der gebieteriſchen Haltung, die ſie annahm, an dem höhniſchen Lächeln des Mundes merkte ich, daß ſie mit beißendem Spott auf die verſteckten Vorwürfe meines Mannes antwor⸗ tete. Gleich darauf erſchien der Herr von Verſac; der Vorhang hob ſich und die Muſik begann. So endete ein Auftritt, der für meinen Gemahl höchſt qualvoll ſein mußte.

Entſetzlich! Herr Secherin ſiecht in ſtiller Ver⸗ zweiflung dahin, taub gegen das Bitten und Flehen einer frommen Mutter und Urſula, ſein Weib, fröhnt ihrem Hange zu Vergnügungen und Vuhlereien und ſtürzt ſich lachend, wonnekrunken in den Strudel der Welt! 3

Während ich, im Hintergrunde der Loge verſteckt, die obenerwähnten Vorgänge beobachtete, plauderten die Fürſtin und Frau von Richeville unaufhörlich mit einander, ohne Zweifel aus zarter Rückſicht für mich.

Der Fürſt hatte uns verlaſſen. So durfte ich un⸗ geſtört meinen Gedanken nachhängen.

Der Abend war kein verlorner. Er überzeugte mich, daß ich für Herrn von Lanery nicht mehr em⸗ pfände, als für jeden Fremden in gleich falſcher, gleich ſchimpflicher Lage: Mitleid und Verachtung.

Nach und nach fand ich meine Ruhe wieder.

Die gegenwärtigen Leiden des Herrn von Lanery riefen mir meine vergangenen Leiden in's Gedächtniß zurück, und ich dankte dem Himmel, daß er die Quelle aller Liebe in meiner Bruſt vertrocknet und mir da⸗