27
Ratürlich ſchien Herr von Sencville vom Dufte der Blumen wie bezaubert. Obgleich dieſe Art von Be⸗ vorzugung ſtreng genommen gegen die Regeln des guten Geſchmackes verſtieß, that ſie es doch mit unglanblicher, wahrhaſt verführeriſcher Anmuth.
Gerade in demſelben Augenblicke ſah ich auf und bemerkte in der gegenüberliegenden Loge, ganz im Hintergrunde verſteckt — meinen Gemahl.
Ohne Zweifel beobachtete er Urſula, deren Stel⸗ lung und Benehmen ſeine Eiferſucht im höchſten Grade rege machen mußten.
Nach wenigen Minuten verſchwand Herr von Lan⸗ erp und kam in Urſula's Loge wieder zum Vorſchein. Da Herr von Senneville viel jünger war, als der ſächſiſche Geſchäftsführer, ſah er ſich genöthigt, meinem Manne Platz zu machen. Ehe er dies that, nahm er lächelnd einige Blumen aus Urſula's Bougquet und ſteckte ſie triumphirend in ſein Knopfloch. Herr von Lanery ſtand wie auf Feuer und wechſelte verlegen einige Worte mit Fräulein von Maran⸗
Kaum war Herr von Senneville fort, ſo griff Urſula in ihrem Aerger wieder zur Lorgnette, ohne meinen Manne eines Blickes zu würdigen. Links und rechts und rechts und links lorgnettirte ſie herum. Zwei⸗ mal redete Herr von Lanery ſie an; ſie hörte nicht oder wollte nicht hören. Endlich berührte er leiſe ihren Arm, um ſie aufmerkſam zu machen. Zerſtreut gab ſie ihm die Hand, antwortete kurz und ging an ihr altes Geſchäft.
Auf Herrn von Lancry's Geſicht war Ungeduld und Zorn deutlich zu leſen.
Den Morgen hatte ich keine Zeit, ihn näher in's Auge zu faſſen, ſo ſchnell fuhren und ritten ſie vor uns vorbei. Zetzt betrachtete ich ihn nach Muße. Aus den abgemagerten, erſchöpften Zügen ſprachen die Qualen der Eiferſucht, die ſein Brief ſo beredt ſchilderte. Keine Spur mehr von dem alten Herrn von Lanery! In


