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Fräulein von Maran, wie immer, in ihr kar⸗ meliterartiges Gewand gekleidet und in ſchwarzer Haar⸗ friſur mit blumenbeſetzter Mütze, ſchien mir ſehr ge⸗ altert, ſehr verändert. Nur die Augen waren dieſelben geblieben und ſchoſſen unter den dichten grauen Augen⸗ brauen die wohlbekannten Schlangenblicke hervor.
Während des Zwiſchenaktes ſtrömte die ganze vor⸗ nehme und elegante Pariſer Welt in der Loge des Fräulein von Maran ein und aus.
Dieſen Abend gewahrte ich Urſula in ihrer gan⸗ zen Glorie, in ihrem ganzen Triumphe. Die Aufgabe, die ſie ſich geſtelt, nämlich die gefeiertſte Dame von Paris zu werden, hatte ſie glücklich gelöſt. Sie ſchien mir wie geboren zu der Rolle, die ſie ſpielte.
Das Leidenſchaftliche ihres Blickes, die Anmuth und Lebendigkeit ihrer Bewegungen, die Friſche und Süße ihres Gelächters, der ſtete Wechſel von Würde und ſpöttiſcher Schalkheit — Alles verrieth eine lang⸗ jährige Erfahrung in der Kunſt, zu gefallen und die Herzen zu erobern.
Unter der Zahl derer, die Urſula aufwarteten, war auch Herr Gaſton von Senneville, der liebens⸗
würdigſte Geck ſeiner Zeit, wie Frau von Riche⸗
ville, ſeine Tante, ihn zu nennen pflegte. Meine Cou⸗ ſine nahm ihn beſonders artig auf, während ein Herr von geſetzterem Weſen — ich meine, der ſächſiſche Ge⸗ ſchäftsführer, mit Fräulein von Waran ſich unterhielt.
Bald ſpielte Herr von Senneville mit Urſula's Lorgnette, bald flüſterten ſie, bald lachten ſie laut auf, bald bog er ſich wieder zu den Perſonen, die ſie ihm zeigte. Kurz, er trieb mit ihr alle die kleinen Scherze, welche die junge Welt einer Modedame gegenüber ſo gerne auskramt.
Immer koketter wurde Urſula. Endlich kehrte ſie
ſich halb um, bog ihren ſchlanken Leib zuſammen und
hielt Herrn von Senneville das große Bouguet, das ſie
in der Hand trug, hin, um ihn daran riechen zu laſſen.


