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meiner Bruſt bloszuſtellen. Je tiefer der Schmerz,
um ſo mehr flieht er die Oeffentlichkeit. Kaum ver⸗ mochte ich's über mich, der Frau von Richeville mei⸗ nen Kummer mitzutheilen, und ich ſollte Tauſende in mein Leiden einweihen?
So fügte ich mich denn in das Unabänderliche, was mir durch die Einfachheit meiner Lebensweiſe un⸗ gemein eultichtert burde.
Frau von Richeville hatte recht prophezeit. Ihrer mütterlichen Sorgfalt und Freundſchaft, dem Wohl⸗ wollen der Perſonen, die ich oft bei ihr ſah, gelang es bald, meine alte Traurigkeit bis auf die letzte Spur zu verwiſchen. Ich genoß endlich jener heitern, ſelbſtbewußten Ruhe, die zwar nicht das Glück ſelbſt iſt, doch wenigſtens in dem Sichfreifühlen von allen und jeden Seelenleiden beſtehet.
Dieſer Uebergangszuſtand ſchien mir äußerſt rei⸗ zend; er hatte viel Aehnlichkeit mit jener leichten, ſüßen Betäubung, mit jenem allgemeinen, unbeſtreitbaren Wohlbefinden, die auf lange und ſchmerzliche Krank⸗ heiten folgen. pei 3 Zufall bewies mir, daß ich vollkommen ge⸗
eilt ſei.
Eines Tages fuhren wir Beide, Frau von Riche⸗ ville und ich, im Boulogner Wäldchen ſpazieren. Plötz⸗ lich jagten zwei Damen zu Pferde, von mehreren Herren begleitet, an uns vorüber. Es waren Urſula, die Fürſtin Kſernika, der Herzog von Verſac, Herr von Lanery, Lord C* und zwei oder drei andere Perſonen, deren Namen ich nicht wußte.
Meine Couſine tummelte mit gewohnter Anmuth
und Kühnheit Stella, die uns gehört hatte. Unſer
Wagen fuhr Schritt, ſo daß Urſula und mein Gemahl mich recht gut erkannten. Spöttiſchen Blickes wies Urſula Herrn von Lanery auf mich hin. Dieſer wurde über und über roth und that, als bemerke er mich nicht.


