Teil eines Werkes 
13. bis 15. Bändchen (1845)
Entstehung
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ein lebendes Räthſel, und durfte ungeſtraft Alles thun, Alles wagen.

Seltſamer Widerſpruch! Sie, die ohne Beden⸗ ken all die Herrlichkeiten genoß, womit ich ſie Namens des Fräuleins von Maran überſchüttete, behandelte mich mit äußerſter Härte, mit empörendſter Verachtung, weil ich ihr zum Namenstage einige Kleinodien verehren wollte. .

Bei ruhigem Nachdenken, wundert mich dies Be⸗ nehmen nicht. Urſula iſt voll Takt. Man weiß, daß ſie arm iſt, der geringſte perſönliche Luxus hätte ſie kompromittirt. So hat ſie ſich ihre eigene Mode, eben ſo einfach als elegant, geſchaffen. Ihr Hals iſt ſo reitzend, ihre Arme ſo friſch, ſo weiß und rund, daß ſie eben aus Koketterie Hals und Armbänder ver⸗ ſchmäht.

Abends trägt ſie ein höchſt geſchmackvolles Kleid, von ſchneeweißem Flor, eine friſche Blume im ſchönen Haar und ein gleiches Bonquet am Mieder. Das iſt all ihr Schmuck. Morgens ein äußerſt einfaches Kleid mit langem Kragen, darüber einen großen Kaſchmir⸗ ſpawl. Sie begreifen, daß die ſechszigtauſend Franken Mitgift eine Ewigteit ausreichen müſſen

Inmitten der Pracht, die ſie umgibt, lebt ſie ſo ſtolz und glücklich, als wäre ſie Herrin im Hauſe. Der wunderlichen Frau iſt es weniger um den Beſitz, als um den Genuß des Lurus zu thun. Gewiß würden Sie mir in dieſer parador klingenden Behauptung Recht geben, wenn ſie Urſula kennten.

Trotz dem Allem bin ich oft nicht glücklich. Ich weiß, daß ich ihr unentbehrlich geworden bin; ich weiß, daß ſie nur ſchwer der Herrſchaft, die ſie über mich ibt, entſagen würde. .. . . Aber was für eine Herr⸗ chaft iſt das!

Nach ihrem Briefe an mich, der von ihrem Ge⸗ mahl aufgefangen wurde, hätte ſie bei unſerer erſten

Zuſammenkunft verlegen ſein ſollen. Nichts weniger