Teil eines Werkes 
10. bis 12. Bändchen (1845)
Entstehung
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Amalie (der Vorname der Frau von Richeville) mir zuerſt von Ihnen erzählte. Ich und ihre Freunde, die auch die Ihrigen ſind, drangen unaufhörlich in ſie, Ihre Rücktehr nach Paris zu beſchleunigen. In Ihrem Alter eine betagte Großmutter darf wohl ſo reden iſt die Einſämkeit gefährlich; ein ſolches Einſiedler⸗ leben endet immer damit, daß man der Welt Selbſt⸗ ſucht und Gefühlloſigkeit Schuld gibt, aber gewiß mit Unrecht. Lange Erfährung hat mich gelehrt, daß das Unglück, das mit M th und Würde getragen wird, ſtets eine warme, herz che Theilnahme findet.

Und ich, Mgdäme, redete die gemüthlich⸗lebhafte Gräfin von Semur mich heiter an,ich wollte faſt, Sie wären weit von hier, in Ihrer Touraine, wie unartig Ihnen dieſer Wunſch auch dünken mag. Denn Sie waren unſer Ideal, und weil das Ideäl ſich den leib⸗ lichen Augen entzieht, tröſteten wir uns über Ihr Nichterſcheinen. Würden Sie jetzt wieder verſchwin⸗ den, wären wir vollends untröſtlich.

Als ich dieſe Lobſprüche beſcheiden ablehnte, er⸗ griff die Fürſtin von Hericourt meine Hand und ſagte mit tief bewegter Stimme:Vergeſſen Sie nicht, Ma⸗ dame, daß wir an einer jungen Frau noch etwas Andres als ihre Schönheit, ihre Anmuth und ihren Geiſt bewundern können ... Dann fühlen Sie den Un⸗ terſchied zwiſchen einer faden Schmeichelei und einer ernſtgemeinten, wohlverdienten Huldigung.

Hierauf begrüßte ich Emma. Sie trug ein ein⸗ faches weißes Kleid; die reichen Flechten ihrer herr⸗ lichen blonden Hgare ſchmiegten ſich wellenförmig um das zarte und reine Oval ihres Antlitzes von roſen⸗ farbigem Alabaſter. Sie ſchien mir von blendender Schönheit. Als ſie mich in Maran beſuchte, war ſie vierzehn Jahre alt. Seitdem war ſie zu einer Jung⸗ frau herangereift, deren volle Formen und hoher, ſchlanker Wuchs an eine Diang erinnerten. .

Ich vergleiche ſie mit dieſer klaſſiſchen Göttin,